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Griechenland (von Blanka Vegrichtova)

aus: JA-Heft 3/2000

Nach 6 Wochen, die ich in Griechenland verbrachte, muss ich sagen, dass ich meine Sommerliebe gefunden habe. Ich bin in Griechenland verliebt. Wer dieses Land einmal besucht, das chaotische Leben dort erlebt, Tzatziki probiert und die Acropolis erklommen hat, kann nichts anderes fühlen als Liebe zu diesem Land.Diese 6 Wochen waren für mich nicht nur Urlaub, sondern auch Arbeit. Meine Aufgabe dort war, auf 2 Jungs aufzupassen. Nach der anstrengenden Woche habe ich das Wochenende immer sehr genossen. Ich habe in Griechenland viel erlebt und gesehen und darum möchte ich auch mit euch meine Erlebnisse teilen und die Unterschiede zwischen unseren Ländern zeigen. Wer die Pünktlichkeit vorzieht, dem würde Griechenland nicht gefallen. Man kann sich auf nichts verlassen. Die Fahrpläne hängen zwar in den Haltestellen, aber der Bus kommt einfach wann er will und man muss ihm zeigen, dass er anhalten soll. Oder wenn man sich einen Handwerker nach Hause bestellt, dann ist man glücklich, wenn er überhaupt kommt. Und auf den Straßen gibt's überall Chaos. Niemand hält sich an die Regel. Wenn man in Deutschland über die Straße gehen will, braucht man gar nicht um sich zu blicken. Die Autos halten von alleine. Wenn man in Tschechien über die Straße gehen will und die Ampel leuchtet grün, ist man sicher und muss nicht um sich blicken. Wenn man aber in Griechenland über die Straße gehen will, obwohl es grün ist, muss man sich noch zwei- oder dreimal umschauen, um wirklich sicher zu sein, dass die Autos halten und einem nichts passieren kann. Wenn man als Mitteleuropäer nach Griechenland kommt, muss man sich zuerst an die griechische Zeit anpassen. Das heisst, die Uhr um eine Stunde vorzustellen und seinen Tagesrhythmus zu ändern. Man schläft im Sommer in Griechenland bis 9 oder bis 9.30 Uhr. Dann kommt das Frühstück und dauert ungefähr bis 10.30 Uhr, manchmal auch bis 11 Uhr. Wenn man Glück hat und direkt am Meer wohnt, geht man gleich nach dem Frühstück an den Strand und genießt die schöne Zeit in der heißen Sonne oder im wunderschönen Meer. Mittagessen gibt's ungefähr um 14 oder 15 Uhr und man ißt nur eine kalte Kleinigkeit. Für die meisten beginnt die schönste Zeit des Tages - SIESTA. Man kann schlafen, lesen, Fernsehen schauen oder ständig die temperamentvollen Kinder beobachten, weil man nie weiss, was für Ideen ihnen einfallen. Der Nachmittag dauert in Griechenland bis 21 Uhr. Hier muss man aufpassen. Wir sagen schon Abend, aber in Griechenland heißt das später Nachmittag. Der Abend beginnt ungefähr um 21.30 Uhr, das ist die Zeit, in der alle essen gehen. Das Hauptessen ist das Abendessen. Man ißt hier sehr spät und zu viel am Abend, aber das Essen ist leichtverdaulich. Die strengen deutschen Tischmanieren kann man hier vergessen. Als Vorspeise ißt man Tzatziki (weisser Joghut mit Gurken und viel Knoblauch) oder ähnliche Soßen mit Brot, und zwar man taucht das Brot in die Soße ein. Diese Zeremonie heißt auf Griechisch PAPARA. Dazu bekommt man noch griechischen Salat mit Feta-Käse und zum Trinken meistens Nero=Wasser. Das Hauptessen hängt schon von Euch ab. Man kann alle Sorten Fleisch essen, Fisch, Teigwaren und dazu bekommt man immer Pommes und viel Gemüse. Die Tage sind lang und darum kann man auch viel unternehmen. Das schönste an Griechenland ist die Geschichte. Hier hat alles begonnen. Unsere Zivilisation hat sich dank der griechischen entwickelt. Man hat das merkwürdige Gefühl, wenn man durch Athen läuft und die Geschichte in jedem Stein sieht. Das größte Erlebnis ist, auf die Acropolis zu steigen. Es ist unvorstellbar, dass sie schon fast 4000 Jahre steht. Von oben übersieht man die ganze weiße Stadt und die Reste der historischen Stadtteile. Gleich unter der Acropolis befindet sich das alte Theater. Ich hatte auch einmal die Möglichkeit, eine Ballettvorstellung zu sehen. Es war fantastisch. Als ich auf den weißen heißen Steinen saß, dachte ich daran, wer alles vor mir auf diesem Platz gesessen hat. Als Tourist muss man die Plaka besuchen. In diesen kleinen Gassen findet man verschiedene Geschäfte, in denen man Souvenir's aus Athen kaufen oder einfach nur spazieren gehen kann. Man muss keine Angst haben. Wenn man allein in dieser Stadt ist, ist man eigentlich nie allein. Alle Griechen sind sehr freundlich und jeder spricht einen an. Griechisch, Englisch, ist egal. Aber man muss auch Geduld haben, wenn man schon zum zehntenmal antwortet: Hello, I'm fine, thank you. I am from the Czech republic.... Nicht nur die Griechen sind sehr freundlich, sondern auch die Tiere, die man auf den Straßen sieht. Sie laufen einfach mit. Hunde, Katzen trifft man an jedem Eck oder man sieht sie in der Siesta schlafen. Weil es in Griechenland sehr heiß ist, manchmal bis 45 Grad, ist es besser, Seele und Körper nach dem kulturellen Teil ein bißchen abzukühlen. Die Strände in Griechenland sind wunderschön. Meistens sandig. Wer ein bißchen anspruchsvoller ist, kann die schönsten Strände auf den Inseln finden. Und die besten sind auf der Insel Kefalonia. Es ist wie ein Paradies - weiße Strände, türkisblaues Meer, grüne Klippen. Man kann nicht im Meer schwimmen ohne Maske und Schwimmflossen. Die Unterwasserwelt ist wunderschön. Man sieht verschiedene Farben der Fische - gelb, rot, blau, grün, ......Seeigel, Seegras und Sonnenstrahlen. Es ist nur schade, dass man auch atmen muss, sonst würde man die ganze Zeit nur unter Wasser schwimmen und sich mit den Fischen jagen. Manchmal sieht man auch unter dem Wasser Plastiktüten und verschiedene Sachen, die die Leute nicht mehr brauchen und einfach ins Wasser schmeißen. In den Bergen kann man auch die Natur nach den Bränden sehen. Es sieht sehr traurig aus. Alles ist schwarz und zerstört. Man kann nur hoffen, dass es nie wieder passieren wird. Ich könnte noch lange über Griechenland schreiben, aber nur schreiben reicht nicht. Man muss das Land besuchen, alles sehen und die Atmosphäre erleben. Ich hoffe, dass es bald gelingt und dass wir einmal zusammen nach Griechenland fliegen werden, um unsere erste deutsch-tschechisch-griechische Begegnung zu veranstalten. Es ist bis jetzt noch unser Traum, aber ich bin überzeugt, dass er einmal wahr werden muss. DIE HOFFNUNG STIRBT ZU LETZT.

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