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Rohr Geschichte

Die Asamkirche in Rohr

JA - Ostern - Rohr? JAA!!

1954 - erste Kultur- und Einkehrtage der noch recht jungen "Junge Aktion der Ackermann-Gemeinde" im Benediktinerkloster Braunau in Rohr Niederbayern. Der Klosterhof war noch immer Baustelle, denn für Kloster, Schule und Internat mußte lange Zeit neu- und umgebaut werden. Der spätere Geistliche Beirat Pater Ulrich, damals Schüler am Gymnasium, erinnerte sich noch bis in die Endsiebziger und Anfangachtziger Jahre an Bauarbeiten und "Steineschleppen". Einen Prager Saal gab es noch nicht und die Referate, z.B. von Hans Schütz oder Dichterlesungen mit Hilde Hejl, wurden in einer Baracke im Hof vorgetragen. Unüblicherweise für die katholische Jugendarbeit nahmen Mädchen und Jungen gemeinsam an der Tagung teil ("Das darf ich in der Schule (bei den Ursulinen) gar nicht erzählen, dass wir gemeinsame Tagungen haben"). Schon damals beeindruckte die feierliche Gestaltung der Messen und die liturgischen Gesänge der Mönche.

Die Jungen waren in großen Schlafsälen - mindestens 10 Stockbetten - unter dem Dach untergebracht, wo es manchmal so kalt war, dass die Füße im Waschraum in grossen Fusswaschbbecken mit warmem Wasser aufgewärmt werden mußten. Natürlich wurde dabei immer viel erzählt und besprochen und dann - wie auch heute noch - wenig geschlafen. Die Mädchen schliefen in 4-5-Bett-Zimmern im kleinen Treppenhaus. Noch Anfang der 60er Jahre gab es Teilnehmerinnen, die gar nicht so genau wußten, wo denn die Jungen schliefen.

10 Jahre später hatte sich das dann geändert. Es kam zu einer "Krise" mit dem Kloster. Den Mänchen war der Umgang miteinander "zu liebevoll", und es wurde angedroht, dass die JA nicht mehr kommen dürfe, wenn sich nichts ändere. Mit etwas Kontrolle änderte sich natürlich etwas und die Kultur- und Einkehrtage konnten in den nächsten Jahren - bis heute - wieder stattfinden.

Die großen Schlafsäle blieben aber noch bis zum Um- und Neubau des lnternatstrakts Anfang der 80cr Jahre erhalten, Im letzten Jahr der Bauarbeiten hatte sich herumgesprochen, dass einer der Jungs im Schlafsaal einen grüngelb geblümten Pyjama trage. Die neugierigen Mädchen, nicht mehr so schüchtern wie noch 20 Jahre zuvor, schlichen eines Abends bis zum Bett, lüpften die Bettdecke, bestaunten den grüngelb geblümten Pyjama und zogen sich dann kichernd zurück.

Pater Ulrich, der geistliche Beirat (1976-1985), schleppte 1983 wieder Steine - gemeinsam mit den Teilnehmern beim Kreuzweg am Karfreitag als Symbole für die Schuld, die jeder mit sich herumträgt. Das führte zum Ausspruch: "Symbolik - is das a Tschech" eines inzwischen in der Ackermann-Gemeinde gut bekannten jungen Teilnehmers.

In den frühen Achtziger Jahren konnte auch zum ersten Mal die Nachtwache am Gründonnerstag nicht abgelöst werden, weil das Schnappschloss am Eingang bei der Sakristei zugefallen war und ohne einen passenden Schlüssel nicht geöffnet werden konnte. Doch wo gibt es nachts um 2 Uhr den Schlüssel?

Eigentlich war die Teilnahme am Programm verpflichtend. Einmal erhielten aber zwei Schwänzer der Ostersonntagsmatinée sogar eine Belobigung - vom Kommandanten der Rohrer Feuerwehr, weil durch den beherzten Einsatz der beiden "nur" das Mittagessen verbrannte.

Natürlich bleiben solche mehr oder weniger lustigen Begebenheiten stärker im Gedächtnis haften als andere, theoretische, Dinge. Im Laufe der vergangenen 46 Jahre "Ostern in Rohr" lernten viele Teilnehmer den Prager Dichterkreis und seine Mitglieder kennen, die katholische Soziallehre und die Subsidiarität, Böhmen und Mähren und die Geschichte, die Sternpolka (wir tanzten (abrechnungstechnisch) ja meist auf dem berühmten Paragraphen 96), es wurden Osterkerzen gebastelt, Zeichnungen angefertigt, Osternester eingerichtet, im Chor Lieder einstudiert und z.T. in der Kirche gesungen Vielen ist sicher das Ostersingen auf der Treppe im Gedächtnis).

Rohr - das ist immer auch der Konvent der Benediktiner. Langjährige "Rohrfahrer" kannten natürlich die Patres und auch die Fratres (Fr. Balthasar zeigte einigen Teilnehmern einmal, wie er Klöppelarbeiten, z.B. Altartücher anfertigt). Man erkundigte sich nach dem Gesundheitsstand, hört betroffen vom Tod eines Klostermitglieds, freut sich über "Neue" und hofft, dass sie bleiben. Mit dem zunehmenden Alter der Patres und den vielfältigen Verpflichtungen auf immer weniger Schultern wurden leider in den neunziger Jahren auch die Kontakte zwischen den geistlichen Herren und den JA-lern immer geringer.

Jedes Jahr, auch in diesem Jahr 2000 noch, ließen sich viele von den - auch nach dem Konzil noch oder gerade wegen des besseren Verstehens erst recht - feierlichen Gottesdiensten gefangen nehmen und schmunzelten über praktische Begleitumstände - wie die Jungen im Chorgestühl sehen konnten, wurde das Wasser zur Taufe hinter dem Altar aus dampfend heißem Wasser aus der Thermoskanne und frisch geweihtem Taufwasser gemischt). Auch die übrigen religiösen Elemente wie Kreuzweg, Nachtwache, Stationes und Meditationen gaben Möglichkeiten zur Besinnung.

Nicht wenige haben in Rohr auch für das eigene religiöse Leben viel mitnehmen können. Durch Gespräche mit den Patres und anderen Teilnehmern fanden junge Menschen ihren Standpunkt in Punkto Religion oder beschäftigten sich auch zu Hause mehr mit Themen des Glaubens.

Auch sonst konnte noch so einiges für den weiteren Lebensweg gelernt werden, sei es Verantwortung zu tragen für eine gemeinschaftliche Veranstaltung, Engagement für eine gemeinsame Sache, Toleranz und Rücksicht im täglichen Miteinander, und durch die Einbindung von Teilnehmern bei der Durchführung von Programmteilen auch Grundlagen von Organisation. So mancher JA´ler konnte als Jungmanager beim Besuch oder der Organisation von Schulungen, Vorträgen usw. feststellen: "Alles schon mal gemacht, früher halt mit alten Tapetenrollen und Eddingstiften, jetzt mit moderneren Möglichkeiten".

Die jahrelange Teilnahme an der Ostertagung in Rohr prägte nicht wenige Teilnehmer, die auch später "immer wieder mal" den Weg nach Rohr finden.

Martina Paleczek

Entnommen aus der Festschrift "50 Jahre Junge Aktion"

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