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Katholikentag 2006

Anton Otte aus Prag eröffent den JA-Parcour

Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht 

Katholikentage sind inzwischen aus mehreren Richtungen in Beschuss genommen worden. Es gibt zum einen ultrakonservative Kreise, denen der Veranstalter - das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) - zu rebellisch, wenig fromm und viel zu laienlastig ist. Zu häufig hätten sich in den vergangenen Jahren die Laien gegen die Amtskirche gestellt. Man denke nur an die Kämpfe um die Schwangeren-Konfliktberatung, die zu einem großen Riss zwischen Amtskirche und den in Donum Vitae organisierten Laien geführt hat, die sich den Ausstieg aus dem staatlichen Beratungssystem nicht von Rom vorschreiben lassen wollten. Daher ist es auch immer eine kirchenpolitische Frage, welcher Bischof oder Kardinal den Katholikentag durch seine Abwesenheit "beehrt".

Desweiteren gibt es aus eigentlich laienfreundlichen Kreisen durchaus Stimmen, die den Eventkatholizismus kritisieren und meinen, dass in den Programmen der Katholikentage ein programmatisch sich verzettelnder Aktionismus vorherrsche, der die wesentlichen alltäglichen Dinge des Glaubens und die elementare Spiritualität im Funktionärsdünkel verloren gehe.

Kurt Beck besuchte die JA-Präsentation im Begegnungszentrum

Und durchaus, selbstkritische Durchleuchtung solcher Veranstaltungen sind immer angebracht: Trifft dieses spezifisch deutsche Markenzeichen von Laienbewegung noch die Bedürfnisse der heutigen Zeit? Kann ein Katholikentag neben medienwirksamen Showeffekten, wo Politiker aller Couleur sich in den Fernsehkameras als wertebewusste Christen profilieren zu suchen, tatsächlich gesellschaftspolitische, kulturelle und vor allem religiöse Akzente setzen?

Der Katholiken 2006 fand in Saarbrücken, nicht unbedingt eine katholische Hochburg, statt und hatte sich ein schwieriges Thema gesetzt: „Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht“. Heute wird die Frage nach sozialer Gerechtigkeit wieder als ein Punkt in unserem Leben erkannt, von dem der solidarische Zusammenhalt unseres Landes abhängt. Und daher ist es nur wichtig zu Fragen: Kann die Kirche noch Akzente in und Antworten auf die globalen und wirtschafltichen Herausforderungen geben? Gerade wenn man bedenkt, wie wichtig das Thema Gerechtigkeit für unsere religiöses Bewusstsein ist: ein zentrales Moment unserer Religion – Gerechtigkeit.

Podiumsdiskussion zum Thema "Europa - ohne Gott, aber mit den Kirchen?" mit Sebastian Kraft (JA)

Und um ehrlich zu sein, ich persönlich habe mich in den vergangenen Jahren mit dem Wort schwer getan und habe mich lieber mit der antiken Weisheit „Milde ist besser als Gerechtigkeit“ begnügt, um die unbequeme Frage auch im Alltag auszuklammern. Als guten Gewährsmann habe ich dabei auch den konservativen und doch fortschrittsbewussten und lebensfreudigen Theatermann und Katholiken August Everding im Nacken gewusst, der in einem Interview einmal dem damaligen Kardinal Josef Ratzinger fragte, was für ihn doch die schönste Gewissheit in Bezug auf Gott sei. Der Kardinal antortete: „...dass es einen gerechten Gott gibt.“ Und der gewitzte Theatermann anwortete: „Mit Verlaub Herr Kardinal, das sehe ich nicht ganz so. Ich weiß, dass es einen milden Gott gibt.“

Bernhard Vogel diskutiert am Stand der Ackermann-Gemeinde mit JAlern

Jetzt, nach den verregneten Tagen in Saarbrücken, weiß ich eines: Es ist für uns alle unerlässlich in Fragen der Gerechtigkeit Stellung zu beziehen, Stellung zu beziehen auch aus unserer religiösen Verantwortung heraus! Allzu leicht neigen wir nämlich dazu, etwas als gerecht und ungerecht wie ein „Urteil“ zu kathegorisieren, ohne dabei einer Sache wirklich gerecht zu werden. Denn ein nach Gerechtigkeit suchender Richter sollte nie seinen Titel vergessen, der wieder aufrichten im Wortstamm trägt und nicht nur das Richten im Sinne von verurteilen. Und so verstanden sich auch die Foren als ein schwieriger Versuch, den Themen und Herausforderungen mit einem christlichen Blickwinkel gerecht zu werden. Und Kardinal Lehmann hat den zweiten Teil des Mottos daher in seiner Abschlusspredigt genial hervorgehoben, in dem er das Versprechen des Angesichtigwerden Gottes in all unserem Engagement besonders betonte.

Vorstellung der Begegnungsarbeit der JA auf der Hauptveranstaltung - live im TV

Selbstverständlich galt es auch für die Junge Aktion und die Ackermann-Gemeinde Flagge zu zeigen. Und wie das gelang ist für mich persönlich mit das schönste Erlebniss des Jahres für das Verbandsleben. Ein eigenes Hauptpodium bestritt die Ackermann-Gemeinde und ging angeleitet von Prof. Albert Rethmann das Thema der Gerechtigkeit in Fragen der Heilung von Wunden aus der Vergangenheit in Europa an – „Zukunft trotz Vergangenheit“: Bischöfe aus dem ehemaligen Jugoslawien und Nordirland, Vertreter aus Polen und Tschechien verdeutlichten offen und ehrlich ihre Erfahrungen und Ansätze, die sie in politisch und gesellschaftlich schwierigen Situationen praktizieren, haben ausgelotet, ob Kirche noch eine integrierende Kraft sein kann. Daneben gab es ein Podium über die Patrone Europas, Mitglieder unserer Partnerverbände diskutierten u.a. mit Angela Merkel, die Junge Aktion gestaltete einen Raum im Partnerschaftszentrum und konnte u.a. den SPD-Vorsitzenden Kurt Beck als Gast begrüßen – und lust but not least: Vier Helden unserer Arbeit hatten einen eigenen kleinen großen – auch im Fernsehen live übertragenen – Auftritt auf der zentralen Veranstaltung des Katholikentages bei dem auch EU-Ratspräsident Bundeskanzler Wolfgang Schüssel Gast war.

Bewegendes Erlebins - Abschlußgottesdienst im Stadion

Und wer erlebt hat, wie die neue Generation der Jungen Aktion mit Herzblut, Engagement, Charme und Intelligenz diese Situation meisterte, der erkennt, dass die Verbandstradition sich nicht bangen muss um qualitätsvollen Nachwuchs. Auch die Diskussionsbereitschaft dieser Jungen, namentlich Isabell Klingert, Sebastian Kraft, ...(((( am Stand der Ackermann-Gemeinde war eine Bereicherung, die so manchen Prominenten am Stand beeindruckte und fast vergessen ließ, dass auch die Ackermann-Gemeinde droht zu überaltern. Und so erzählt wohl die Bildergallerie mit den zahlreichen Gesprächspartnern am Stand mehr, als ein Artikel wiederzugeben vermag. Und so gilt es, Dank auszusprechen an all jene, die sich am Katholikentag beteiligt haben, die den Parcours des Begegnungszentrums vorbereitet und durchgeführt haben, die sich getraut haben, in Saarbrücken Flagge zu zeigen (und das war noch vor der Fußball-WM) und auch an all jene, die Hinter den Kulissen den JAlern ihre Unterstützung zukommen ließen und ihre Kanäle für sie genutzt haben, um das Gefühl zu ermöglichen, dass es auf einen ankommt.

Und so ist für mich der Hauptpunkt des Katholikentages eine Aufforderung an die deutsche Tradition des Laienkatholizismus, sich nicht unterkriegen zu lassen, nicht nachzulassen, sowohl Salzkorn als auch Sand im Getriebe zu sein, um Gottes Gerechtigkeit auf Erden spürbar zu machen und seiner Schöpfung gerecht zu werden.

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