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Pater Brecheisen

Jugendpastorales Schnäppchen: WinterWerkWoche

Jugendpastorales Schnäppchen: WinterWerkWoche
Vormerkend soll "Jugendpastorale Schnäppchen" geklärt werden.
Bei der Vielfalt von Angeboten gilt es für ein besonderes Angebot füdig zu werden. Das Schnäppchen kann eine reizvolle Sache, eine interessante Möglichkeit, ein frohes Erlebnis oder eine sympathische Beziehung sein. Auf alle Fälle hat es für den Fündigen einen nachhaltigen, bedeutsamen Wert.
Pastoral meint von der Funktion her, Kontakt mit Menschen zu suchen. Daraus können Beziehungen erwachsen und vertieft werden. Das weitere Bemühen gilt der Gemeinschaftsbildung, die eines Sinnes fortdauert.
Inhaltlich bezieht sich pastoral auf die Menschensorge Jesu, die dem gelingenden, glücklichen Leben gilt.
Jugend ist nach Don Bosco der "Empfindsame und wertvolle Teil der menschlichen Gesellschaft". Wenn es um das Leben junger Menschen geht, soll diesem Dienst nichts vorgezogen werden.
Von diesem Verständnis her fand ich so Jugendpastorales Schnäppchen in der Winterwerkwoche der Jungen Aktion. Zum Jubiläum dieses Jugendverbandes will ich gerne dieses Schnäppchen mit einigen Aspekten beleuchten.

Das Fündigwerden des Schnäppchens
Die Verbindung der Familie Panten zu den Salesianern führte auf die Spur. Für die Winterwerkwoche 1991 wurde kurzfristig ein Priester für den Gottesdienst und eventuell für den religiösen Part ein Arbeitskreisleiter gesucht. Martin Panten kam zunächst etwas förmlich zu mir und erläuterte das Anliegen. Seine freundliche Art, aber auch meine Einstellung, primär für Jugend verfügbar zu sein, motivierte mich zum Mitmachen. So fuhr ich am 27.12.1991 erstmals nach Geisenhausen.

Das Schnäppchen Junge Aktion
"Ob ich bei denen wohl ankomme?", dachte ich, als ich dort unter den jungen Leuten saß und die Themen der Arbeitskreise verkündet wurden. Die Teilnehmer mussten mit den Füßen abstimmen. Eine Gruppe kam danach auf mich zu und ich erlebte schnell aufgeschlossene, interessierte, politisch kritische MakrodenkerInnen mit viel viel Reflexions- und Aktionsvermögen. Diese dynamischen engagierten jungen Leute beeindruckten mich wirklich wie ein Schnäppchen. Nicht umsonst der Name: Junge Aktion! Dorothee (damals Bauer)und Hannes Olbert, so erinnere ich mich, kämpften bei einem Rollenspiel heftig gegeneinander, als es um die Mitsprache bei einer Betriebsversammlung ging. Inzwischen hat sich der Kampf ja gut gelöst. Die Planspiele, ich denke da an Raffi und Hermann, waren spannend und gelungen ausgeklügelt. Die Tanzgruppe von Ingrid war für mich ein nachhaltiges Erlebnis bei der ersten Begegnung. Wenn ich von der Winterwerkwoche als Schnäppchen spreche, so sind es ein Bündel Erinnerungen, die diese Aussage berechtigen. Mit nachhaltiger Wirkung war ich angetan von diesem Element der Jungen Aktion und die Sympathie dauert bis heute fort.

Das Schnäppchen Kreativität
Von meiner Tätigkeit mit jungen Menschen her war ich mehr Kulturdistanz, vielleicht auch Kulturkonsum gewohnt. Das was die KAKs auf die Beinen stellten, überraschte mich sehr. Gestalten, Malen, darstellende Spiele, Gestik und vielfältige Musik, ganz einfach auf den Punkt gebracht: die Kreativität, begeisterte mich. Mein Interesse ging in dieser Hinsicht natürlich auch dahin, diese vielgestaltigen Elemente in die Feier der Liturgie einzubringen. Denn alles menschliche Feiern beinhaltet doch die Elemente Wort, Geste, Musik, also auch die liturgischen Feiern. Diese wertvollen kreativen Beiträge bildeten für mich einen Impuls für die Gestaltung der Jugendliturgie. Mit solchen Kreativgruppen kann nicht nur formal, sondern auch inhaltlich gottesdienstliche Feier für die Jugend ausgelotet werden. Es macht mir Freude mit dem Chefdramaturgen Rainer um die Aussagekraft sowohl des Theaters, aber auch der Liturgie zu ringen. Wie kann jungen Menschen die Feier des Glaubens in Bezug zum Leben erschlossen werden? Auf den verschiedenen Ebenen gilt es letztlich den Menschen zu erreichen und ihn zu begeistern, geistig und geistlich anzuregen, und ihm Hilfe für die Lebenskultur anzubieten. In dieser Hinsicht ist die Winterwerkwochenkreativität wirklich ein Schnäppchen für Gottesdienstimpulse, um mit der Jugend zu feiern.

Das Beziehungsschnäppchen
Der Mensch ist ein Beziehungswesen. Da bin ich von dem wertvollen Beitrag gleichsam des "Beziehungsbiotops" Winterwerkwoche - umfassender: Junge Aktion - überzeugt. Ich habe Entwicklungsstufen von schüchternen AnfängerInnen bis hin zu beziehungsreichen, politisch engagierten Leuten - da denke ich an das Bundessprecherteam Sandra, Matthias, Michael und Rainer - ja bis zu gelungenen Lebensbeziehungen erlebt.
Die Beziehungsvoraussetzungen von Jungen und Älteren, der "Erosbonus" sympathischer Mädchen und netter Jungen, die Herausforderung des Mitmachens und des Sichtrauens, das Aufeinanderzugehen trotz fremder Sprache und Kultur, vor allem auf Aussiedler und tschechische Jugendliche, sind wichtige Lernortgrundlagen.
Das Miteinandersprechen ist unerlässlich für menschliche Beziehungen. Das offene, persönliche Gespräch, der vertrauensvolle Dialog, die sachliche Konfliktbewältigung ergeben vielfach ein erfrischendes Beziehungsklima. Beziehungen erfordern solidarische Werthaltungen, die von einem religiösen Rückhalt und einer Rückbindung an Gott motiviert und gestärkt werden. In religiösen Angeboten, sei es Besinnung, Gebet, Gottesdienst werden solidarische Haltungen wie Toleranz, Gerechtigkeit und Hilfsbereitschaft gestärkt. So spielen vordergründige und hintergründige Beziehungsbemühungen zusammen. Damit wird ein wesentliches Anliegen der Jungen Aktion, Grenzen unter Menschen abzubauen, im Lernprozess der Winterwerkwoche eingeübt.

Das Schnä¤ppchen Jugendpastoral
Vormerkend habe ich auf den funktionalen und inhaltlichen Aspekt der Pastoral hingewiesen. Vom Bild des sorgenden Hirten ausgehend, wie Jesus, sollen Menschen einander zum gelungenen, glücklichen Leben verhelfen. Wie Jesus sollen Menschen Beispiele im Lebensspiel untereinander sein. Glaubende Menschen vertrauen auf die Beziehungszusage Jesu: "Ich bin gekommen, dass Menschen das Leben haben und es in Fälle haben." (Joh. 10,10). Diese Zusage und der Zugang zu Jesus wird im Lernprozess der Winterwerkwochen im Denken, Reden und Tun den jungen Menschen ganzheitlich erschlossen. Im Rückblick auf zehn Jahre ist der Ausgangspunkt der Themen der Winterwerkwoche immer das aktuelle Leben der Jugend. Es ist erfreulich, wie junge Menschen sich mit den anspruchvollen Lebensfragen differenziert auseinandersetzen. Sie bemühen sich, dies Fragen von der Botschaft Jesu her zu deuten und im Glauben miteinander zu feiern. Beim Gottesdienst ereignet sich jeweils lebendige zum Herrn gehörende Gemeinschaft, die Kirche. Die Winterwerkwochen bieten somit grundlegenden Halt, aus dem Haltungen erwachsen und das Verhalten der jungen Menschen beeinflussen. Für diesen ganzheitlichen Wachstums- und Reifungsprozess bedarf es Zeit, die wir der Jugend geben müssen. Rückblickend auf zehn Jahre ist bei den Teilnehmern der Winterwerkwoche feststellbar doch viel gelungenes, geglücktes Leben erwachsen. "Das glückliche Leben der Menschen, ist die Ehre Gottes."
Das Jugendpastorale Schnäppchen Winterwerkwoche ist ein beachtenswertes Element, bei einem Rückblick auf fünfzig Jahre Junge Aktion. Möge Gott diesem Bauelement des Jugendverbandes und allen Beteiligten sein "Benedicere", sein gutes Segenswort weiterhin zusprechen und weiterhin viele junge Menschen in der Jungen Aktion zum glücklichen leben begleiten.

Pater Brecheisen war Mitglied des Salesianer Ordens und wirkte seit 1990 über ein Jahrzehnt auf den WWWs in Bayern. 2005 verstarb Pater Brecheisen. Wir werden ihn voller Dankbarkeit in Erinnerung bewahren.

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