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                                  WinterWerkWoche 2005/2006

             "KulturMigration oder das Theater mit der Migration"

Einladungstitelblatt

"Gastarbeiter nehmen Deutschen die Arbeit weg", "Russlanddeutsche sind kriminell" und "Asylbewerber komme nur aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland". Dies sind pauschale Vorurteile, die immer wieder mit Blick auf Migranten zu hören sind. So auch in einem kleinen Puppentheaterstück zu Beginn des Projektes "KulturMigration oder das Theater mit der Migration". Fast 30 Jugendlichen, die auf Einladung der Jungen Aktion der Ackermann-Gemeinde vom 28.12.2005 bis 01.01.2006 nach Windischeschenbach kamen, wollten diese Beurteilungen nicht ungefragt im Raum stehen lassen und stattdessen mit Mitteln des Theaters und durch inhaltliche und kreative Auseinandersetzung den Kulturgütern von Migranten nach Bayern nachspüren.

Gespannte Zuhörer
Gespannte Zuhörer

Das Kennenlernspiel "Weltsprache Musik" mit Liedern aus aller Welt im Anschluss an das Puppentheater ließ das Eis zwischen den Teilnehmern schmelzen. Das Programm endete, wie an den folgenden Abenden auch, mit einem besinnlichen Tagesabschluss mit Texten, die das Thema Migration aufgriffen.
Der Donnerstag bot zunächst das notwendige Grundwissen zum Thema Migration nach Deutschland. Dorothee Schuchardt gab in einem Einführungsreferat einen Überblick über die Migrationsgeschichte Deutschlands. Ergänzt wurden diese theoretischen Ausführungen durch Ali Behzad, der aus dem Iran stammt und ganz persönlich von seiner Familiengeschichte berichtete.
Am Nachmittag wurde in drei Arbeitskreisen auf drei Zuwanderergruppen eingegangen, die mit ihrer Kultur in Deutschland präsent sind: Gastarbeiter (Referent: Matthias Dörr, München); Aussiedler aus Mittel- und Osteuropa (Referentin: Ulrike Weber, Weiden) und Asylbewerber (Referent: Matthias Schopf-Emrich, Augsburg). Die Ergebnisse der Kleingruppen wurden auf Plakaten festgehalten.

Internationale Tänze

Mit diesem Hintergrundwissen begannen die Teilnehmer nun sich durch eigene Kreativität der Kultur von Zuwanderern anzunähern. In einer Gruppe wurden Gegenstände gebastelt, die aus fremden Kulturen stammen, heute aber zum selbstverständlichen Bestandteil der Jugendkultur gehören. Eine andere Gruppe widmete sich unter der Leitung der aus Athen stammenden Studentin Stavroula Ntotsika Volkstänzen aus Griechenland. Eine dritte Gruppe arbeitete an der Präsentation des Materials für den "Jahrmarkt der Kulturen"; und eine vierte bereitete ein Migrations-Puppentheaterstück vor.

Musikalisches

Der Donnerstagabend stand ganz im Zeichen der arabischen Literatur. Im "Literaturzelt"; wurden Texte von Autoren aus der arabischen Welt vorgetragen. Viele von ihnen leben heute im Exil, da ihnen in ihrem Heimatland Verfolgung droht. Der gebürtige Syrer Rafik Schami lebt seit 33 Jahren in Deutschland, hat die deutsche Staatsbürgerschaft und schreibt in deutscher Sprache. Weitere behandelte Autoren waren Tahar Ben Jelloun (Marokkaner, heute in Frankreich) und der Sudanese Tajjib Salich. Alle setzen sich in ihren Werken mit der von ihnen empfundenen Spannung zwischen westlicher und arabischer Kultur auseinander. Bereichert wurde dieser Programmpunkt durch musikalische Einlagen der Teilnehmer.

Martin Panten vom Ausländeramt in Straubing
Martin Panten vom Ausländeramt in Straubing

Der Freitagvormittag gehörte Martin Panten von der Ausländerbehörde der Stadt Straubing. Er referierte über die rechtliche und soziale Stellung von Ausländern in Deutschland, wobei er besonders die neuen Integrationsmaßnahmen vorstellte. Im Anschluss an seine konkreten und spannenden Ausführungen beantwortete er die zahlreichen Fragen der interessierten Teilnehmer und ließ sich auf eine lebendige Diskussion ein. Am Nachmittag war erneut die Aktivität der Teilnehmer gefordert. Im theaterpädagogischen Planspiel "(K)ein Platz für die Kultur von Migraten!" tauchten die Teilnehmer in verschiedene Rollen in der fiktiven Stadt "Hainai". Durch Verhandlungen, Diskussionen und Interaktionen sollten die Bevölkerungsgruppen das Zusammenleben regeln. Der Spielfilm "Kebab Connection" am Freitagabend bedeutete eine unterhaltsame Abwechslung. Am Samstagvormittag stand nach dem Frühstück, wie auch an den Tagen zuvor, das Morgensingen auf dem Programm. Mit Begeisterung nahmen die Teilnehmer daran teil. Unter Leitung von Ali Behzad und Christina Nehmer wurden auch Lieder aus den Herkunftsländern von Zuwanderern, unter anderem aus Italien, gesungen. Anschließend setzten die kreativen Arbeitskreise ihre Arbeit fort.

"Puppentheater"

Der abschließende "Jahrmarkt der Kulturen" am Samstagnachmittag zeigte die erarbeiteten Ergebnisse der inhaltlichen und kreativen Arbeitsgruppen sowie Fotos aus den Heimatgemeinden der Teilnehmer. Sie waren aufgefordert, in ihrem Umfeld Fotos von Einflüssen anderer Kulturen zu machen und diese mit nach Windischeschenbach zu bringen. Die dadurch entstandene Ausstellung spiegelt den kulturellen Beitrag wider, den Migranten als Bereicherung in das kulturelle Leben Bayerns einbringen. Sie wird im Rahmen kommender Veranstaltungen von Junge Aktion und Ackermann-Gemeinde zu sehen sein. Außerdem präsentierten Teilnehmer als inhaltlichen Abschluss des Programms ein Puppentheaterstück.

Begeisterte Teilnehmer

Der Silvestertag endete mit einem Jahresabschlussgottesdienst, den ein Priester aus Windischeschenbach für die Gruppe hielt, und dem Abschlussfest. Am Abreisetag stand nach dem Frühstück noch die Reflexion auf dem Programm. Die Veranstaltung bekam von den Teilnehmern eine rundum positive Beurteilung. Die Jugendlichen zeigten sich mit dem Ergebnis der Arbeitskreise überaus zufrieden. Durch verschiedene Methoden konnten sie kreativ und spielerisch Brücken zur Kultur von Migranten schlagen. Ihnen wurde klar, dass diese heute ganz selbstverständlich die eigene Kultur bereichert. Sei dies nun musikalisch, literarisch oder im Bereich der Gastronomie. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es früher keine Pizzerias und Dönerbuden", resümierte eine Teilnehmerin aus Oberfranken.

Ein herzlicher Dank gilt dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, das durch die großzügige Förderung aus dem Kulturfonds Bayern dieses Projekt ermöglicht hat.

Gruppenfoto
Gruppenfoto
Gruppenfoto
 

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