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Das Attentat des Heiligen Geistes

Wie eine Gruppe JAler die Ankunft von Papst Benedikt XVI. am Münchner Flughafen erlebte

Stellen  Sie sich vor, Sie sind Papst, werden mit Standing Ovations und unerträglichen Gewehrschüssen der Gebirgsschützen am Flughafen München empfangen und der Wind pfeift Ihnen nur so um die Ohren. Erst denken Sie, Sie haben von Ihrer letzten Deutschlandreise dazugelernt und nehmen den Pileolus (ihre Kopfbedeckung, die aufgrund Ihrer weißen Haare allerdings eh nicht zu sehen ist) schon beim Ausstieg aus dem Flugzeug ab. Doch dann hat der heilige Geist ein anderes Attentat auf Sie vor. Ihre so sorgfältig ausgearbeitete Rede liegt schwarz auf weiß vor Ihnen auf dem Rednerpult, ehe Sie in einem kleinen Moment der Unachtsamkeit die Hand von den Blättern heben, um die nett aussehenden Theologiestudenten aus Regensburg in der letzten Reihe zu grüßen. In diesem Augenblick schickt Petrus einen kräftigen Windhauch über die Rollbahn und jene Blätter segeln mitten in Ihren rhetorischen Ausführungen davon. Halb so wild, denken Sie sich wahrscheinlich jetzt, wofür gibt es denn Ihren Sekretär, der nach Meinung der Frauenwelt auch nicht viel schlechter aussieht als George Clooney oder Brad Pitt und die Blätter medienwirksam wieder einsammeln kann. Aber irgendwie müssen Sie nun die Zeit überbrücken.

Nunja, Sie können natürlich irgendwas daherreden, wie schön das Wetter ist, oder wie sehr sie sich auf Marktl am Inn freuen, genauso wie sich die Leute aus Marktl am Inn auf Sie freuen. Aber das Plakat in der dritten Reihe mit der Aufschrift „Du bist mein geliebter Sohn“ schreckt Sie doch eher von einer Aussage ab. Sie können natürlich auch die Studentenverbindung aus Freising grüßen, naja, aber mit denen hatten Sie eigentlich nie was zu tun. Keine Ahnung, wer die aufs Rollfeld gelassen hat, denke Sie sich. Ihre Regensburger Theologiestudenten haben Sie ja schon begrüßt, die unzähligen Trachtengruppen ebenfalls. Gerade noch rechtzeitig, bevor Sie ins Stocken geraden, fällt Ihnen die Rede des Bundespräsidenten Horst Köhler ein, der vor Ihnen ans Rednerpult trat und in der Ökumene nicht nur Worte, sondern auch Taten forderte. Und kaum hatte er ausgeredet, hat so eine siebenköpfige Gruppe in Reihe eins auch noch Beifall gespendet und laut Bravo gerufen. Umso verwunderter waren Sie, als diese Gruppe dann auch noch eine tschechische Fahne hochgehalten hat. Hatte die bayerische Staatsregierung nicht ausdrücklich versprochen, an alle Teilnehmer nur weiß-blau Fähnchen zu verteilen? Nunja, denken Sie sich, da der Himmel eh schon weiß-blau ist, kann ein bisschen rot dazwischen sicher auch nicht schaden. Rot ist ja schließlich die Farbe des Heiligen Geistes und denn braucht man bekanntlich in den bayerisch-tschechischen Beziehungen öfters mal. Also beschließen Sie, das ganze so nicht auf sich sitzen zu lassen, schließlich soll ja heute Abend in der Tagesschau auch was Anständiges von Ihnen zu sehen und zu hören sein außer den Worten des Bundespräsidenten und den drauf folgenden Bravo-Rufen dieser sieben jungen Damen und Herren in Reihe eins mit der tschechischen Fahne.

Sie reden also auch über die Ökumene, loben den Bundespräsidenten und betonen die Notwendigkeit der Taten, ehe Ihnen ihr Sekretär wieder die vom Winde verwehten Blätter reicht. Ein Blick nach rechts verrät Ihnen, dass dies auch die sieben nett aussehenden Damen und Herren in Reihe eins mit der tschechischen Fahne gut finden. Zufrieden betreten Sie den roten Teppich und wollen sich auf den Weg zu Ihrem Auto machen, werden aber noch von den Gebirgsschützen aufgehalten, die unbedingt noch ein bisschen mit Ihren Gewehren rumballern wollen. Nachdem Sie auch das überstanden haben, winken Sie noch einmal den netten jungen Leuten mit der tschechischen Fahne zu, steigen zufrieden in Ihr Auto und fahren gen Münchner Innenstadt. Sie kriegen nicht mehr mit, wie diese sieben Damen und Herren mit der tschechischen Fahne noch ein bisschen auf dem Rollfeld herumspringen, Ihren Sessel und Ihr Rednerpult photographieren, Ihre Fahne in den Wind halten und dem mitgereisten Journalisten vom tschechischen Rundfunk Interviews geben. Jedenfalls haben Sie diese fröhlichen und netten Leute mit der tschechischen Fahne so sehr beeindruckt, dass Sie im Auto gleich Ihren Sekretär fragen. „Georg, wann fahre Ich zum Mitteleuropäischen Katholikentag nach Mariazell in Österreich.“ „Im September 2007, heiligen Vater.“ „Dann halten Sie bitte fest, dass wir danach auch noch einen eintägigen Abstecher in die Tschechische Republik machen.“ „Natürlich, heiligen Vater, wir schicken gleich nach unserer Rückkehr nach Rom eine Pressemitteilung raus.“ Gesagt, getan.

14.09.2006, Radio Prag:

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Papst Benedikt XVI. besucht 2007 Tschechien

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Papst Benedikt XVI. wird im September 2007 die Tschechische Republik besuchen. Der Papst verbinde den eintägigen Besuch vermutlich mit einem geplanten Aufenthalt im österreichischen Wallfahrtsort Mariazell am 8.

September 2007, teilte die Tschechische Bischofskonferenz am Donnerstag in Prag mit. Erste Spekulationen über einen eventuellen Papst-Besuch in Tschechien waren im Dezember vergangenen Jahres in Zusammenhang mit der geplanten Reise von Benedikt XVI. nach Bayern aufgetaucht. Zuvor hatte Kardinal Vlk den Papst nach Tschechien eingeladen.

 

Sebastian Kraft

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