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Geschafft! Zehn neue Mitgliedsstaaten in der EU

Geschafft! Zehn neue Mitgliedsstaaten in der EU
- Tagung der JA vom 30.04.04-02.05.04 in Bayerisch Eisenstein - (Heft 2/2004)

"Wolfram, was haben Sie denn am 1.Mai getrieben?" Diese spontane und durchaus überraschende Frage stellte mir mein erstaunter Deutsch-Lehrer nach Unterrichtsschluss an einem Donnerstag. Der Grund für diese ungewöhnliche Frage ergab sich durch ein Foto der EU-Osterweiterungsfeierlichkeiten, dessen Aufnahme in den frühen Morgenstunden des 1. Mai 2004 im deutsch-tschechischen Grenzörtchen Bayerisch Eisenstein zustande kam. Das genannte Foto erschien in der 03.Mai-Ausgabe der Stuttgarter Zeitung und wie der Zufall es will, fand mein aufmerksamer Lehrer mich dort wider.

Um seine Frage zu beantworten, erzählte ich ihm von der Wochenendaktion der JA, die die Teilnehmer zu Zeugen eines historischen und bedeutsamen Augenblickes der europäischen Geschichte machte: Die Osterweiterung der EU um 10 neue Mitgliedsstaaten!

Als ich Wochen später diese Zeitungsausgabe in meinen Händen hielt, erwachten wieder die Erinnerungen, die diesem supertollen (aber auch regnerischen) Wochenende anhaften...

Alles begann damit, dass ich und Sandra S. nach mehrstündiger (recht unterhaltsamer) Fahrt die Bayerisch Eisensteiner Jugendherberge am 30. April erreichten. Nacheinander trudelten auch die anderen Protagonisten dieser Tagung ein und um kurz vor Mitternacht bewegten wir uns, mit Orangensaft und Sekt bewaffnet, in Richtung des Bayerisch Eisensteiner Bahnhofs. Bayerisches Fernsehen, Donau TV, das regionale Radio und eine große Pressemeute mischten sich unter die wartende Menge und unsere Anwesenheit entpuppte sich immer mehr als Attraktion dieses Geschehens (was sich am großen Interesse der Einwohnerschaft und der Presseleute zeigte). In unserer Hochstimmung begingen wir leichtsinnigerweise den Fauxpas, fast alle Wunderkerzen vor dem eigentlichen Anlass zu entzünden. Im Scheinwerferlicht und Blitzlichtgewitter startete um kurz vor Mitternacht des 30.04.04 der symbolische Akt, der die Einheit der erweiterten EU widerspiegeln soll: Mit Hilfe von Schweißgeräten und einer Flex wurde die trennende Grenzschranke nacheinander beseitigt, wobei einige Zuschauer (und auch JA'ler, Anm. der Red.) sich Teile davon sichern konnten.

Im Anschluss dazu verlief sich die Menschenmenge. Nur unsereins und auch einige Einwohner hielten tapfer die Stellung und sangen, lange nach Mitternacht, Banana-Lieder oder führten die berühmt-berüchtigte Sternpolka, vor den Augen der verwunderten Bundesgrenzschützer, vor.

Soviel Einsatz, von unserer Seite, wurde dadurch belohnt, dass der Bürgermeister von Bayerisch Eisenstein, Thomas Müller (www.kochender-buergermeister.de), uns zu einem kleinen Umtrunk in einem Nebenzimmer des Bahnhofs einlud. Dort entdeckten wir das Schild mit der Aufschrift "Staatsgrenze" wieder, das zuvor aus seiner Verankerung herausgerissen und vom Bürgermeister Müller, höchstpersönlich, in das genannte Zimmer gebracht wurde. Leider beschlagnahmten die "Ordnungshüter in Grün" das Schild und führten es, unter schallendem Gelächter, seiner Bestimmung als Grenzschild wieder zu.

Am darauffolgenden Tag erfreute uns Herr Martin Kastler (Mitglied des Europäischen Parlaments) und seine Gattin mit ihrem Erscheinen. Die folgende Diskussion beschäftigte sich natürlich mit dem Thema der Osterweiterung, wobei noch einige ausstehende Fragen beantwortet werden konnten. Später beabsichtigten wir den Grossen Osser (ein Hügel direkt an der deutsch-tschechischen Grenze) hoch zu wandern. Leider verschwor sich der Wettergott gegen uns. Am Aufstieg setzte plötzlicher Regen ein und so wurde die Flucht in eine Gastwirtschaft ergriffen. Speis und Trank mundeten uns aber so gut, dass schlussendlich eine Wanderung ausblieb und wir später, wohlgenährt und manche vielleicht auch ein bisschen beschwipst, in die Jugendherberge zurückkehrten. Am Abend wurde ein Europa-Quiz gespielt, das unsere Europa-Kenntnisse in Bezug auf Geographie, Geschichte und Politik testete und uns allen einen großen Spass bereitete. Auch die, zu einem JA-Abschlussabend obligatorische, Fete wurde nicht ausgelassen.

Aber wie es nun mal so ist, endet eine Tagung immer dann, wenn es am schönsten ist. So geschehen an unserem letzten Tagungstag. Nach einem genüsslichen Frühstück traten alle vor die Jugendherberge, um (mit Helium gefüllte) Ballons in die Luft steigen zu lassen. An jedem Ballon war eine Grusskarte gebunden, indem wir unsere Hoffnungen und Wünsche in Bezug auf ein geeintes Europa äusserten. So endete unsere Tagung und vielleicht findet sich viele Jahre später eines der Karten wieder, wenn das eingetreten ist, was darin noch als Wunschtraum niedergeschrieben wurde...

Wolfram Röhrig