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Rohr 2012 … wie auch wir vergeben unseren Schuldigern … ?

Vergebung zwischen Beni und Martin?

aus dem JA-Heft 2/2012:

 

Vergebung war Thema des Theo-Teams

 

Bětka Rázková bereitete die Politische Weiterbildungswoche in Rohr mit vor. Ihre besondere Aufgabe war die Gestaltung der religiösen Einheiten. Samuel Raz (JA-Heft) befragte sie dazu:

Kannst du dich und deine Aufgaben als Theo-Verantwortliche kurz vorstellen?

Meine Aufgabe al s Theo-Verantwortliche war, die geistliche Seite unserer Begegnung vorzubereiten. Jeden Tag in der Früh gleich nach dem Frühstück haben wir uns zur gemeinsamen „Statio“ getroffen, bei der wir den Tag mit Liedern und Gebeten gemeinsamen begonnen haben.

 

Was hast du dir bei der Vorbereitung deiner Aufgaben gedacht?

Ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht, damit die Einheiten zum diesjährigen Leitthema in Rohr, nämlich „Vergebung“, passen. Dabei hatte ich Glück, denn über Vergebung wird in der Theologie viel geschrieben und gesprochen. Als roten Faden habe ich mir Anselm Grüns Wege zur Versöhnung ausgesucht.

 

Hast du Wert darauf gelegt, dass deine Einheiten katholisch motiviert waren oder ging es dir um Spiritualität, Nachdenken oder ums zur-Ruhe-kommen generell?

Es sollte eine Mischung von allen sein. Ob es auf die Teilnehmer auch so gewirkt hat, weiß ich allerdings nicht. Normalerweise haben wir mit einem Lied angefangen, dann habe ich etwas zur Spiritualität, also zum Thema „Vergebung“ gesagt. Danach haben wir alle gemeinsam gebetet oder eine Passage aus der Bibel gelesen. Und dann gab es noch Zeitzur Selbstreflexion oder zum Nachdenken.

 

Hast du Rückmeldungen von Teilnehmern bekommen?

Einige habe ich schon bekommen. Sie waren eher positiv. :-) Ich denke, die Teilnehmer waren zufrieden, da ich nichts von ihnen erwartet habe und da sie keine schwere Arbeit leisten mussten. Mit der Statio sollte für sie der Tag mit einer kleinen Besinnungspause beginnen. Ich hoffe, dass ich das geschafft habe.

 

Was denkst du: Waren die JAler offen und bereit, sich auf Spirituelles einzulassen?

Da ich mich auch ein bisschen philosophisch orientiert und viel erklärt habe, denke ich schon. Ich hatte auch eine bestimmte Richtung, einen roten Faden, der uns ein Ziel gesetzt hat, zu dem wir alle kommen sollen. Und das haben wir geschafft! :-)

 

Was denkst du über die Einstellung der JA zum Katholizismus? Bist du der Meinung, der Glaube und die Spiritualität sollten einen größeren Stellenwert in der Jungen Aktion haben?

Natürlich bin ich der Meinung! Wir sind doch Christen und die Junge Aktion der Ackermann Gemeinde hat christliche Wurzeln. Mir gefällt es sehr, dass wir bei allen Treffen immer was von der christlichen Tradition mitbekommen.

Kreuzweg

„Vergebung“ im Rollenspiel

Das Rollenspiel in Rohr „Transitional Justice“ bewegte: Wie sollen die Opfer entschädigt werden?  Wer darf darüber entscheiden? Alice Nedbalová interviewt Michael Bartůšek:

 

Was war der Inhalt des Spieles?

Nach schrecklichen Kriegsjahren treffen sich verschiedene Gruppen, die im Kriegskonflikt unterschiedliche Rollen spielten, die Aggressoren oder deren Opfern waren. Ziel des Spieles war es, eine gemeinsame Sprache zu finden, sich auf die Zukunft zu einigen un die Opfer des Konflikts zu entschädigen.

 

Welche Gruppe hast du vertreten?

Ich habe die Organisation der Frauen vertreten, die sich bemühte, den Frauen zu helfen, welche im Krieg beraubt und missbraucht wurden. Unsere Aufgabe war es, das Funktionieren der ganzen Gesellschaft wieder aufzubauen. Das alles hängt hauptsächlich von den Frauen und ihren Familien ab. Deswegen versuchten wir vor allem eine materielle Entschädigung zu fordern, die den Opfern helfen würde, wieder normal zu leben. Wir verlangten nicht, dass die Täter durch Haft bestraft werden sollten, denn finanzielle Reparationen können unseren Zielen besser dienen und eine Verhaftung würde die Familien zerstören, was den Frauen das Leben wieder erschwert.

 

Wie hast du dich als junger Mann gefühlt, die Interessen der Frauen zu vertreten und nur mit Frauen im Team zu arbeiten?

Es hat mich gefreut gerade in dieser Gruppe zu sein. Vor allem wegen der Eigenschaft, dass Frauen nicht so hartnäckig und stolz auf ihren Meinungen beharren und dass sie offener für kreative und mehr praktische Lösungen und funktionierende Kompromisse sind.

 

Wie reagierten die anderen Gruppen auf euch, waren sie begeistert?

Alle waren begeistert, es ist nur schade, dass das Spiel zeitlich so begrenzt war und dass wir nicht mehr Raum für tiefere und anregende Verhandlungen und Vereinbarungen gefunden haben. Es kam mir so vor, als ob es manchen - vor allem den Vertretern der militanten Gruppen - nicht gelang, ihre persönlichen Meinungen und Anschauungen von den Interessen, die sie eigentlich vertreten sollten, zu trennen. So war es nicht schwer, einen Kompromiss zu finden.

 

Was habt ihr in der Friedens- Konferenz denn nun vereinbart?

Die Konferenz fand zweimal statt, zwischendurch konnten sich die Gruppen miteinander besprechen. Deswegen wussten sie schon vorher, mit wessen Unterstützung sie bei der Abstimmung um verschiedene Forderungen rechnen konnten. Uns gelang es, in eine Koalition mit Parteilosen zu treten und uns auch mit einigen Militärgruppen auf die Form der Entschädigungen zu einigen. Bei der Schluss-Abstimmung haben wir uns fast alle auf dieses Resultat geeinigt: 1. Errichtung eines Denkmals für die Opfer des Krieges,2. Einrichtung einer Kommission der Wahrheit, die sich mit den Folgen des Krieges befasst, z.B. Kriegsreparationen, Bestrafung der Täter, Hilfe für die Opfer usw.

 

Glaubst du, dass solche Spiele einen Sinn haben?

Sicher! Es ist gut, selbst zu erleben, wie schwer es ist, einen Konsens und Kompromiss zwischen so unterschiedlichen und gegensätzlichen Meinungsgruppen zu finden, wie man zu seinen Zielen steht und sie verteidigt. Es ist auch interessant, Andere in unüblichen Rollen zu sehen, wie sie verhandeln und was sie vertreten, manchmal auch mit fast übertriebenem Eifer.

 

Alice Nedbalová

Das Spiel

 

Die Presse über unsere Begegnung:

- Slowakische katholische Zeitung vom 02.05.2012

- Sudetendeutsche Zeitung vom