E-Mail

Ostern 2013: „Wo ist meine Heimat?“

aus dem JA-Heft 2/2013:

„Heimat ist dort, wo mein Herz ist.“ Diese Erkenntnis hat es manchem Teilnehmer schwerer gemacht, die wunderbare Woche in Niederaltaich zu genießen. Viele Erinnerungen hängen am Kloster Rohr. Passend dazu stand die Politische Weiterbildungswoche unter dem Thema „Wo ist meine Heimat“.

Wo die Politische Weiterbildungswoche der JA selbst ihre zukünftige Heimat finden wird, muss noch entschieden werden. Wir diskutierten das Thema eine Nummer politischer. Heimat und Identität waren der Rote Faden durch Vorträge über den Palästinakonflikt, Migrationspolitik und Asylerfahrungen.

Besonders mitgerissen hat mich ein Vortrag unter dem Titel „Verblieben in der Heimat“. Susanne Beckmann und Dirk Plamböck erzählten von ihrem Ausstellungsprojekt über in Tschechien gebliebene Deutsche. Dabei waren zehn Personen aller Generationen interviewt worden. Viele Deutsche waren gezwungen, nach der Vertreibung ohne ihr altes Umfeld in Tschechien zu bleiben. Die Integration in die neue tschechische Umgebung und der Umgang mit der deutschen Herkunft waren und sind für alle Befragten ein großes Thema. Volkstümliches oder kommunistisches Denken, ganz persönliche Lebensphilosophien und immer die Suche nach Halt und Identität schufen eine bunte Blumenwiese. Auf die Frage zur eigenen Identität hatte eine Frau erzählt:

Projektflyer „Verblieben in der Heimat“


„Das weiß ich überhaupt nicht. Ich fühl mich überhaupt nicht tschechisch und auch nicht deutsch… wirklich…ich bin keine echte Deutsche oder echte Tschechin. Das ist so eine Mischung…“

Die Lebensgeschichten sind geprägt von einer natürlichen Zweisprachigkeit, von gelegentlicher Zurückweisung, von Arrangement, vom Wunsch der Bewahrung des Eigenen und von der Positionierung zur Möglichkeit der Auswanderung.

Wenn ich im September nach Prag ziehen werde, dann bin ich wohl auch ein Deutscher in Tschechien mit Wurzeln in Böhmen. Vielleicht kann man mich auch einen Angehörigen der deutschen Minderheit nennen.Was mir aber fehlt: Die persönliche Erfahrung und Sozialisation in Tschechien. Politik und Gesellschaft in Tschechien haben die Verbliebenen geprägt, haben ihre Identität, ihr Leben und ihre Heimat gestaltet. Und es lässt sich längst nicht alles auf die Ethnie – auf das Deutsch sein – reduzieren oder damit erklären. Das wurde in den sehr interessanten Biographien klar.

 

Samuel Raz

Ostern 2013: „Wo ist meine Heimat?“

Markus Bauer, freier Journalist, schreibt in der Sudetendeutschen Zeitung (Folge 17, Jahrgang 65) über die Veranstaltung:

„Wo ist meine Heimat?“ Dieser Frage gingen von der Karwoche bis Ostern rund 50 junge Leute aus Deutschland, der Tschechischen Republik und der Slowakei bei der Politischen Weiterbildungswoche der Jungen Aktion (JA) der Ackermann-Gemeinde nach.

Sozusagen eine neue Heimat dieser Veranstaltung war heuer das niederbayerische Kloster Niederaltaich, in dem die Liturgie im katholischen und im ostkirchlichen Ritus gefeiert wird. Und das Mitfeiern der Kar– und Ostertage gehört bei dieser Veranstaltung für die Jugendlichen seit jeher dazu.

Terka Sedlinská

Wo ist meine Heimat?“ - so beginnt die tschechische Nationalhymne. In der Bayernhymne heißt es „Heimaterde, Vaterland“. Doch wie sehen junge Deutsche, Slowaken und Tschechen, die sich heute gleichermaßen in Deutschland, Tschechien und der Slowakei bewegen, diesen Begriff? Die 21jährige ArchitekturstudentinTerezie Sedlinská aus Brünn studiert seit acht Monaten in Nürnberg und hat einen deutschen Freund. Für sie ist die Tschechische Republik Heimat - wegen der Sprache, weil sie dort geboren und aufgewachsen ist.„In der Muttersprache habe ich viel mehr Wörter, viel mehr Nuancen. Doch wenn man länger im Ausland ist, vergißt man schon mal etwas. Die Seele ist eher tschechisch, ich werde mich immer als Tschechin fühlen. Wenn ich nicht in Tschechien bin, dann bin ich stolz darauf, Tschechin zu sein. Wenn ich zu Hause bin, dann sehe ich den einen oder anderen Nachteil.“

Christoph Mauerer

Nahe der bayerisch-tschechischen Grenze in Neukirchen beim Heiligen Blut ist der 22jährige Lehramtsstudent

Christoph Mauerer zu Hause. Er verbindet Heimat zunächst mit Bayern und dem Heimatdialekt. Doch seit er in Prag bei den Salesianern einen Europäischen Freiwilligendienst leistete, ist auch der Prager Stadtteil, in dem er lebte und arbeitete, für ihn eine Heimat geworden. „Die Mentalität in Bayern, Österreich, Böhmen und Mähren ist ähnlich“, so Mauerer, der sich auch als Mitteleuropäer fühlt. Und Wie Terezie Sedlinská ist auch für ihn die Sprache als Vermittlerin von Emotionen wichtig.

Doch Sprache vermittelt auch Information und Wissen. Und dieser Aspekt stand in unterschiedlicher Form im Mittelpunkt der Tagungsthemen, der Gottesdienste und weitere Angebote wie dem Kulturabend und der Hoflesung: alles in deutscher und tschechischer Sprache, eine Höchstleistung der jungen Dolmetscher. Denn die Themen waren nicht immer einfach. (…)

 

Markus Bauer