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Zurück gedacht: Ostern in Niederaltaich – oder: Servus Sousede!

Vorsicht, hier beginnt eine Geschichte. Oder besser gesagt ein Artikel, oder Impressionen eines erstmalig Teilnehmenden über die Politische Weiterbildungswoche der JA vom 23.-28. 3. 2016

Politische Weiterbildung: ein Begriff, den die meisten mit langweiligen Vorträgen verbinden; meist aufgesucht, um sich von Dienst und Arbeit freistellen zulassen.

Ostern: christliche Feiertage, an denen die Auferstehung Jesu Christi gefeiert wird; traditionell im Kreise der Familie gefeiert. Familienfest gegen Langeweile? Hört sich nach einem schlechten Tausch an. Aber wenn dir die Decke auf den Kopf fällt und man einfach wieder was erleben will, ist das Gepäck erstaunlich schnell gepackt. Wenn man dann noch gern neue Leute aus aller Herren Länder kennenlernt, dann ist die Sache klar. Also angemeldet, Sachen gepackt und auf die Reise gemacht. Nach der Ankunft durften wir im altehrwürdigen Kloster Niederaltaich unser Abendessen einnehmen, das der Fastenzeit entsprechend einfach, aber lecker zubereitet war (Grüße an die gute Küche!). Bei der anschließenden Einführung ins Programm wurden als Aufmacher fremdenfeindliche Äußerungen der Jungen Alternative für Deutschland, der Jugendorganisation der AfD, zitiert (und ja, die Junge Alternative nennt sich abgekürzt doch tatsächlich ebenfalls JA!). Dermaßen glaubwürdig wurden die Sätze vorgetragen, dass ich spontan beschloss heimzugehen, wenn ich mir den Dreck weiter anhören müsste. Später gab es noch verschiedene Kennenlernspiele – Mais und Popcorn sind erstaunlich beweglich und ich muss sagen, es gibt viele Leute mit riesigen Füßen.

 

 Singen, Bar, Schlafen = Abendroutine… Es wurde Abend, es wurde Morgen: erster Tag. Frühstück, Statio = Morgenroutine. Statio: lat. Standort; bezeichnet einen festen Ort, an dem der Stationsgottesdienst verrichtet wird. Hier erlebten wir die Statio aber eher in Form eines Morgenimpulses. Nach der Morgenroutine konnten wir in den politischen Teil starten. Mit der Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder (SPD) diskutierten wir spannende eineinhalb Stunden lang über Extremismus und die Folgen und Chancen von Zuwanderung. Nach der Mittagspause machten wir mit dem inhaltlichen Programm weiter und spürten unter Leitung der Dozenten Thomas Eibl und Michael Oswald von der Universität Passau den Gründen von politischem Extremismus nach. Diese Thematik aus dem Blickwinkel der Wissenschaft zu betrachten, hat doch für einige Aha-Momente gesorgt. Hierbei sei angemerkt, dass es sich wohl lohnen würde, der ökonomischen Ungleichheit, einem der Hauptgründe für das Entstehen von politischem Extremismus, in den kommenden Veranstaltungen weiter nachzugehen. Des Weiteren wurden wir am Nachmittag vom Theologie-Doktoranden Florian Würsch in die Gründonnerstagsliturgie eingeführt. Nach diesen aufschlussreichen Impulsen konnten wir gebührend dem Gottesdienst folgen. Während der Nacht auf Karfreitag gab es auch die Möglichkeit, in der Kapelle der Niederaltaicher Benediktiner vor dem Allerheiligsten eine Nachtwache zu halten. Abendroutine.

 

 Es wurde Abend, es wurde Morgen: zweiter Tag. Neben einigen kreativen Tätigkeiten durchlebten wir am Karfreitag auch weiter die österlichen Ereignisse und nahmen an der Karfreitagsliturgie teil; abends hatte Kristýna für uns eine Kreuzwegsandacht vorbereitet. Nach dieser versammelten wir uns wieder in der Bar, wo wir zum großen Erstaunen meinerseits tatsächlich ohne Alkohol Spaß hatten. Tee und Uno haben anscheinend denselben Effekt. Es wurde Abend, es wurde Morgen: dritter Tag. Morgenroutine.

 

 Am Samstag bekamen wir von Pater Johannes eine Führung durch die byzantinische Kirche des Klosters mit einer kleinen Einführung in den byzantinischen Ritus. (Anmerkung: Nächstes Jahr vielleicht mehr Ostkirche; gern würde ich deren Liturgie erleben, vielleicht finden sich ein paar Mitstreiter.) So bekamen wir z.B. den Hintergrund der Ikonen erklärt, durch die Gott quasi optisch, über die Augen uns gegenwärtig wird und dadurch in unsere Lebensrealität tritt. Leider viel zu früh endet dieser interessante Einblick in das östliche Christentum. Und auch die Basilika in Niederaltaich, in der die Gottesdienste nach dem uns geläufigeren römischen Ritus gefeiert werden, konnten wir eingehend besichtigen; wir bewunderten die herrliche Sakristei und durften auch die Krypta betreten. Mit einem Planspiel beschäftigten wir uns weiter mit dem Thema politischer Extremismus. Jede der Gruppen erhielt schriftlich eine Aufgabe und Kontakt zu den anderen Gruppen aufnehmen noch uns anständiges Equipment ausleihen. Und mit unverständlicher Anleitung, weißen Stiften auf weißem Papier und eingetrocknetem Kleber sowie nicht zum Thema passenden Texten kann man kaum arbeiten. Fragen wurden von den Leitern bewusst ignoriert oder schroff abgewiesen. Auch der Abbruch der Präsentation unserer Gruppe fiel zunächst niemandem auf. Erst im anschließenden Gespräch ging allen ein Licht auf, was eben geschehen war. Alle waren so auf ihre Aufgaben fixiert, dass sie schlichtweg die Diskriminierung einer Gruppe übersahen. So wurde uns bewusst, wie schnell so etwas im Alltag passiert. Stressiger Tag, Ärger in Beruf, Schule, Studium oder im Privaten und schon nimmt man Diskriminierung kaum mehr war. Danke, Matthias, dass du uns dahingehend sensibilisiert hast. Darüber hinaus rundete die Vorführung des Films „Die Welle“ das inhaltliche Programm zu dem wichtigen Thema politischer Extremismus eindrucksvoll ab. In der Bar kam es zum Tagesabschluss noch zu einem meiner persönlichen Highlights: So konnte ich als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr meines Heimatortes mit Martin, der Mitglied einer tschechischen Berufsfeuerwehr ist, noch ein kleines Fachgespräch führen. Danke, Christoph, fürs Dolmetschen.

 

 Es wurde Abend, es wurde ganz früh Morgen: vierter Tag.

 

Nach der alten Zeitrechnung (böse Zeitumstellung!) um 03:00 Uhr (!) standen wir mehr oder weniger fit auf und richteten uns für die Messe her. Die Osternacht in dieser barockisierten frühgotischen Kirche zu feiern ist für alle Sinne ein besonderer  Hochgenuss. Die nur von Kerzenlicht erhellte Klosterkirche war ein wunderbarer Anblick. Mit Fortschreiten des Tagesanbruchs änderte sich das Lichtspiel innerhalb des Kirchenraumes aufs Schönste und gipfelte darin, dass die Morgensonne durch die Ostfenster hinter dem Altar einfiel. Durchflutet vom Licht der Auferstehung erstrahlte die Kirche in ganzer Pracht und wir wurden so in einen sonnigen Morgen entlassen. Nach dem Ostersingen durften wir dann auch noch unsere Osternester suchen (Danke nochmal ans Team!). J

Agape: Liebesmahlfeier; Festmahl der Christen; Ursprung Korinth. Euphorisch machten wir uns über das Agape her. Aus meinem Studentenleben und von Festivalbesuchen war ich zwar einiges gewohnt, aber Wein zum Frühstück war auch mir neu. Es war einfach nur schön, entspannt dazusitzen, zu essen, sich zu unterhalten und sich seines Lebens zu freuen.

 Nach einem gemütlichen Ostersonntag ging es langsam in Richtung Osterparty. Und egal wie abgefuckt man die Tage vorher rumgelaufen ist, am Abend waren nur schneidige Burschen und fesche Madln da (siehe Titelseite!). Nach dem traditionellen „Heifi“-Gesang konnte der fetzige Ball beginnen. Zur allgemeinen Freude nahm übrigens auch Pater Johannes gern an den Polkarunden teil. Als Neuling ließ ich mir noch ein paar Mal dieses Teufelsding von Polka erklären – Dank geht an Matthias, Kristýna, Johanna (Schulter!) und die anderen. Bei dieser geballten Kompetenz ist es nicht verwunderlich, dass daraufhin auch ich ganz passabel die Polka beherrschte. Was gab der Abend nicht noch alles her! Gespräche in diversen Sprachen und Sprachmischungen. Großartige oder bewusst lustige Tanzeinlagen. Und einen unermüdlichen Rudi, der sich mit dem Akkordeon die Seele aus dem Leib polkerte (Danke!).

 

Es wurde Abend es wurde morgen:  Fünfter Tag.

Frühstück, Aufräumen, Kehren, Wischen (Hierbei entstand auch die Religion des Mobbismus, aber das würde hier zu weit führen). Nachdem alles sauber war, Frater Vinzenz zufrieden war und höchstwahrscheinlich ein Austauschjahr nebenbei organisiert wurde (viel Erfolg!), war irgendwann der Moment der Abreise da. Und ja, er war traurig. Mit welchen Vorstellungen man als Neuling gekommen ist, was das denn da für Menschen seien, diese Fremden da? Die Antwort war mir klar, nachdem ich jeden noch mal gedrückt hatte und der Bus weg war: Freunde. Auf diese kurze, aber intensive Zeit ist so etwas wie Freundschaft entstanden. Und Freunde sieht man nun halt lieber kommen als gehen.

Ich sag euch allen einfach danke! Es war eine tolle Zeit, ihr seid eine tolle Truppe! Auf bald!

 

Christoph „Chris“ Putz

 

 P.S.: Bei der Abschlussparty durfte natürlich auch die TeamBedankung nicht fehlen – diesmal in Form eines Raps!

Tausend Dank an unser Team, es war so schön mit ihm,

es weiß um uns, um unsre Sorgen, morgen, ist´s wieder vorbei.

Tausend Dank an unser Team, es war so schön mit ihm,

wir danken unserm Team.

 

Wir danken dem Team, das uns die Tage hier ermöglicht hat,

es fanden unfassbare, unglaubliche Dinge statt.

Wir haben gelacht, gesungen, mit der Müdigkeit gerungen,
manchen ist es leider diesmal nicht gelungen.
Wir danken dem Team, das uns geschüttelt, wachgerüttelt hat
und damit unsern Horizont um einiges erweitert hat.

Natascha, Mária, Katka, die drei,

und wir können sagen, wir waren dabei!

 

Úžasný byl náš tým, bylo skvělé s ním,

Tak tisíc díky za náš tým!

Úžasný byl náš tým, bylo skvělé s ním,

Tak tisíc díky za náš tým!