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Jugendbegegnung und Weltjugendtag

Das ist eine Heldengeschichte. Eine, wie es vorher keine gab. Unsere Geschichte. 26 mehr oder weniger normale Menschen, Deutsche sowie Polen, kamen am Abend des 20. Juli mehr oder weniger pünktlich in Kreisau zusammen. In dem „Ding, dass so ca. 60% von Kreisau ausmacht“. Diese Begegnung hat uns alle zu Helden gemacht, uns alle verändert. Aber von vorne:

Am Anfang wurden Kennlernspiele gespielt. Natürlich noch am Abend der Ankunft, nach dem Zimmerbeziehen, denn wenn man auf einer Tagung mehr als 6 Stunden am Tag schläft, hat man definitiv was falsch gemacht. Und dem muss natürlich entgegengewirkt werden. Nachdem sich alle kannten, kamen wir. Die Zuspätkommer, die aber Gott sie Dank von allen schnell und gut in die Gruppe integriert wurden und so keine parallel Gesellschaft gründen mussten.

In die nächsten Tage wurde jeweils mit einem Frühstück gestartet. Bis dahin war für mich alles gut, aber da das meine erste AkWo war und ich mich mit der Materie nicht so auskannte, hatte ich bald erste Fragezeichen in den Augen. Und nicht nur ich, meine Fragen an andere, mit JAler, wurden oft mit Sätzen wie „ist hier anscheinend so“ oder „keine Ahnung“ beantwortet. So stand nach dem Essen immer eine „Liturgie“ auf dem Programm und zwar  jeden Morgen. Ich interpretierte das jetzt als allmorgendlichen Gottesdienst und obwohl wir ein christlicher Verband sind, hatte ich da so gar keine Lust drauf. Es stellte sich raus, dass „Liturgie“ quasi „Statio“ bedeutet. Also „Panik“ völlig unbegründet. Nach der ersten Liturgie wurde uns das Rollenspiel vorgestellt, das uns die ganze Begegnung über begleiten sollte. Jedem wurde zufällig eine Hintergrundgeschichte und das dazugehörige „Kryptonit“ zugeteilt, wie zum Beispiel „Du hast dein Abitur verhauen, weil dein Kugelschreiber leer war. Kryptonit: leere Kugelschreiber“. Damit hat sich dann jeder eine andere, lustige oder traurige Story gebastelt und eine Mission, die man im Lauf der Woche zu erfüllen versuchte. Jeden Abend wurde der Tag eines jeden Superhelden in Kleingruppen reflektiert und Punkte vergeben, mit denen man Superkräfte „kaufen“ konnte, die nützlich für die Begegnung waren („Superfreez“, bei dem sich niemand bewegen durfte, oder „Beni Bum Bum“, bei dem Beni ein Bauch-Konzert geben musste).

Am mehreren Nachmittagen ging es dann zum Beispiel in einer Rally darum, Kreisau näher kennen zu lernen. Wir haben festgestellt, dass es für so ein kleines Kaff zu viele Berge dort gibt. Oder in die nächstgrößeren Käffer, wo wir echte Helden seien durften und uns in 3 verschiedenen Bereichen sozial betätigen sollten (im Altersheim um alte Leute zu beschäftigen, im Hospiz um kranke zu versorgen und Spenden zu sammeln oder ins Tierheim um Hunde spazieren zu führen). Ich bin vorher noch nie mit einem Hund spazieren gegangen, aber ich hab mir einfach mal gedacht, dass das gar nicht so schwer sein kann. Also bin ich ins Tierheim gegangen. Aber, wie man sich jetzt vermutlich denken kann, ich habe es trotzdem nicht hinbekommen. Mein Hund hat sich irgendwann an den Straßenrand gelegt und ist nicht mehr weiter gelaufen. An einem anderen Nachmittag sind wir nach Breslau in den Gottesdienst der Deutschen Minderheit gegangen und haben sie mit etwas schnellerer Musik erfreut. Anschließend durften wir noch in die Stadt uns Mittagessen jagen oder/und Ähnliches. Das war auch der Tag, an dem sich die ersten von uns verabschiedet haben und gehen mussten (ein bisschen Schwund gibt’s immer).

Abends nach dem Essen/Abendprogramm ging es immer in den „Schlosskeller“. Also die Bar. Und zweimal ans Lagerfeuer. Und auch wenn es über den Tag 30°C hatte, war es abends immer sehr kalt. Was viele aber nicht daran hinderte wichtige Grundsatzdiskussionen über Friendzones und andere essentiell wichtige Dinge zu führen. Wie zum Beispiel Essen. Heißt es Semmel, Wecken, Brötchen oder Schrippe (ich vertrete ganz klar die Semmel!)? Was ist ein Briegel (ein Baguette-ähnliches Brot mit sehr harter Kruste, Salz, Kümmel und (wichtig) einem anderen Teig als ein normales Baguette)?

 

Am Ende der Woche sind dann ein paar von unserer Gruppe weiter nach Krakau zum Weltjugendtag (bisschen mehr Schwund ist auch möglich). Zur Zugfahrt lässt sich sagen: die Klimaanlagen in Polen funktionieren sehr gut. Manchmal auch zu gut.

Wir sollten bei Gastfamilien wohnen und schlafen. Da hatten wir wirklich glück, denn nach mehreren Berichten anderer Jugendlicher war es in einer Schule oder sehr voll und schlecht organisiert. Letzteres traf auch auf die ganze Begegnung zu, was öfter zu kleinen Aussetzern unserer Leute führte. Das Jagen des Essens stellte eine gr0ße Herausforderung dar und auch das Finden von In Informationen war nicht immer ganz leicht. Die Erfahrungen und Eindrücke, die sonst gesammelt werden konnten waren trotzdem unvergesslich: das Zerquetscht werden vor dem ersten inoffiziellem Auftritt des Papstes am Papstfenster, tanzende Nonnen auf der Papst-willommens Messe (für manche zerstörte das ein Weltbild), pilgern zur und von der campus-Wiese zurück (eine Erfahrung auf die man hätte verzichten können, auch hätte man sich den Streit mit einem ganz tollen Mitarbeiter der Polnischen Straßenbahn gespart), schlafen auf dem Campus und warten auf den Papst, Sonnenuntergang mit 1,6 Millionen Kerzen, das Besuchen eines Dixi Klos ohne Klopapier und Waschbecken (für Ersatz wurde in den Lunchpaketen gesorgt), Predigten vom Papst bei denen er die Jugend mit Sofas und Turnschuhen verglich („ihr seid nicht in dieses Leben gekommen um daraus ein Sofa zu machen, das euch einschlafen lässt) und allgemein die ganzen vielen tollen Leute die man trifft, die Anwesenheit des Papstes und die Gruppe mit der man all das erlebt hat (DANKE!!!).

Für mich war es eine unbeschreibliche Zeit, auch wenn ich mir nochmal ganz genau überlegen muss, ob ich das 2019 in Panama wieder holen möchte.

 

Johanna