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Osterbegegnung aufs Thema Europäische Identität

Vom 12.-17. April 2017 fand im Kloster Niederaltaich in Niederbayern die JA-Osterbegegnung „Politische Weiterbildungswoche“ statt; 45 junge Leute aus Deutschland, Tschechien und der Slowakei beschäftigten sich dabei mit dem Thema „Wer sind wir und wenn ja, wie viele? Europäische Identität(en) im Wandel“. Peter Hospodár, der das erste Mal teilnahm, beschreibt hier seine Eindrücke.

Weil ich früher die Junge Aktion nicht gekannt habe, war ich vor der Osterbegegnung voller Erwartungen. Da ich mich schon immer für aktuelle Themen in der Gesellschaft interessiere, war es jedoch nicht schwer dieses Angebot in Anspruch zu nehmen. Anziehend fand ich auch die besondere Atmosphäre eines Klosters, um das größte Fest des Christentums fern des Lärms der Großstädte mitzufeiern.

Das Programm hat eine Reihe bunter Gemeinschaftsaktivitäten geboten. Der Schwerpunkt lag natürlich beim Thema „europäische Identität“, mit dem wir uns durch verschiedene Ansichten befasst haben. Beim Gastvortrag des ehemaligen Europaabgeordneten und Vorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bernd Posselt konnten wir beispielsweise durch seine Erinnerungen erfahren, wie er, als Sohn vertriebener Sudetendeutscher, für die Vision einer europäischen Heimat am Ende des 20. Jahrhunderts gekämpft hat. „Frieden in Europa ist keine Selbstverständlichkeit! Dies wird oft vergessen, wenn man über aktuelle Herausforderungen der Europäischen Union diskutiert.“ Bei solchen Worten hat sich jeder von uns angesprochen gefühlt. Genauso spannend war der Vortrag des slowakischen Schriftstellers Michal Hvorecký, der jeden von uns zu aktivem ehrenamtlichen Engagement in seiner Region aufgefordert hat. Herr Hvorecký hat sein Leben der Literatur gewidmet und hat die Bedeutung der multikulturellen und mehrsprachigen Traditionen für die mitteleuropäische Identität hervorgehoben.

Nach den Vorträgen konnten wir die inspirativen Worte bei zahlreichen Workshops in die Praxis umwandeln. Außer der nationalen bzw. auch regionalen Identitäten, die in Europa sehr prägnant sind, haben wir uns das Ziel gesetzt, eine übernationale – europäische Identität zu definieren. Weil wir eine internationale Gruppe gebildet haben, konnten wir uns miteinander austauschen, was es für uns heißt Europäer zu sein. Ich war selbst positiv überrascht, wie sich die Kulturen im Mitteleuropa beeinflusst haben und wie viele Gemeinsamkeiten es bis jetzt in dieser Region gibt.

Die Union der europäischen Staaten wurde in der Nachkriegszeit auf den Werten des Friedens und der Versöhnung aufgebaut. Dies lehrt uns auch Jesus, der uns mit seinem Vater durch seinen Tod versöhnt hat, woran wir uns gemeinsam bei den liturgischen Feiern erinnert haben. Die österliche Passion stellt zwar eine große Trauer dar, nach der aber immer die Freude über den auferstandenen Herrn folgt. Diese Freude konnten wir am Ostersonntag in besonderer Weise zum Ausdruck bringen, an dem wir die Begegnung mit einem feierlichen Abendball abschließen konnten.

„In Vielfalt geeint“ lautet das Motto der Europäischen Union. Das Kloster Niederaltaich bleibt mir tief im Gedächtnis als ein gutes Beispiel davon, wie man Vielfalt ausleben kann. Dieser Ort an der Donau - dem zweitlängsten europäischen Fluss, der viele europäische Städte verbindet, liegt nahe der Grenze des slawischen und germanischen Sprachraums und verschmilzt sowohl römische als auch byzantinische Spiritualität. Eine erfolgreiche Integration wird jedoch nicht durch Uniformität erreicht, sondern durch den Erhalt eigener Kultur, verbunden mit wahrem Interesse, respektvoll die anderen kennenzulernen.

Peter Hospodár