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Interviews mit den ESC-Freiwilligen der Ackermann-Gemeinde in Prag

Seit Januar bringen Jonas und Lilith als ESC-Freiwillige frischen Wind in die Geschäftsstelle der Ackermann-Gemeinde in Prag. Im Interview sprechen sie über ihren Weg nach Tschechien, ihre Erfahrungen mit der tschechischen Sprache und darüber, warum sie einen Freiwilligendienst weiterempfehlen würden.

Jonas

Mein Name ist Jonas Ramolla.

Herkunft: Deutsch

Einsatzstelle: Sdružení Ackermann-Gemeinde in Prag

 

Warum hast du dich für einen Freiwilligendienst dort entschieden?

Ich habe mich für einen Freiwilligendienst entschieden weil ich nicht wusste, was ich nach dem Abitur studieren möchte. Das ich mich im Endeffekt für diese Einsatzstelle entschieden habe, war Zufall. Ich fand die Ansätze und die Werte die diese Organisation vertritt sehr ansprechend.

Wie sieht dein Alltag aus – und dein bisheriges Highlight?

Mein Alltag besteht daraus, dass ich morgens entweder ins Büro gehe um die Edukation für die nächsten Wochen (die Deutschstunden für die Schüler*innen) vorbereite oder eben an die Schulen gehe, um dort zu unterrichten. Dies tue ich gemeinsam mit meiner Kollegin und Freundin Lilith. Ein bisheriges Highlight hatte ich noch nicht. Was mich aber jedes Mal sehr freut, ist wenn die Schüler*innen mit jedem sprechen mutiger im deutschen werden. Ich finde es sehr schön, ihnen dabei zuzusehen, wie sie Spaß am deutsch sprechen entwickeln und ihre Angst eben diese Sprache zu sprechen, stetig weniger wird.

Wie läufts mit dem Tschechisch lernen? Was ist schwierig und was ist dein Lieblingswort?

Leider habe ich bis jetzt noch keinen richtigen Tschechisch Kurs weshalb das tschechisch lernen eher schleppend läuft. Ich lerne allerdings im Alltag immer mehr zurechtzukommen. Beispielsweise kann ich mittlerweile ganz alleine auf tschechisch bezahlen und verstehe, was der gegenüber mir sagt. Darüber freue ich mich jedes Mal aufs neue. Mein Lieblingswort auf tschechisch ist definitiv: Holub

Welche Veranstaltung oder Erfahrung ist dir besonders im Kopf geblieben?

Eine Veranstaltung, welche mir besonders im Kopf geblieben ist, ist die Osterbegegnung in Bayern. Es war sehr anstrengend aber auch total spaßig. Man konnte mit vielen neuen Leuten reden und hat neue Perspektiven eröffnet bekommen. Ich denke immer gerne daran zurück.

Welche Rolle spielen Themen wie deutsch-tschechische Geschichte, Europa oder Demokratie für dich vor Ort?

Die Themen deutsch-tschechische Geschichte spielen bei mir im Alltag keine große Rolle. Auf der Arbeit lerne ich jedoch immer mehr über die oben genannte Geschichte und verstehe somit auch mehr, wie genau die Beziehung zwischen Deutschland und Tschechien momentan ist. Ab und zu kann ich dieses Wissen auch im Alltag anwenden oder erinnere mich an bestimmt Gelerntes zurück. Demokratie ist dagegen sehr präsent. Es verfolgt mich in meinem Arbeitsalltag und auch in meiner Freizeit. Demokratie ist immer wichtig zu verteidigen.

Was hast du persönlich dazugelernt?

Während meinem Auslandsjahr lerne ich viele neue Dinge über mich selbst und auch die Art, wie ich arbeite. Es erstaunt und erfreut mich zugleich. Ich lerne fast jeden Tag neue Dinge kennen und bin sehr glücklich, dass ich das so erleben darf.

Würdest du einen Freiwilligendienst weiterempfehlen – warum?

So einen Freiwilligendienst würde ich jedem weiterempfehlen. Es öffnet neue Türen, lässt dich nochmal neu auf schon passierte Dinge blicken und zeigt dir, wieviel verschiedene Menschen und Möglichkeiten es eigentlich gibt. Früher dachte ich, dass es nichts gibt außer mein kleines Dorf in dem ich aufgewachsen bin. Es gibt aber sooo viel mehr als das. Die Welt ist weitaus mehr als das, was wir täglich sehen und es ist wichtig, sich dessen bewusst zu werden.

Lilith

Hallo, mein Name ist Lilith und bin 20 Jahre alt. Geboren bin ich in Berlin und in der Nähe der Hauptstadt auf dem Land aufgewachsen, bevor ich in diesem Januar nach Prag gekommen bin, um für die Sdružení Ackermann-Gemeinde zu arbeiten.

 

Warum hast du dich für einen Freiwilligendienst dort entschieden?

Ich wollte nach dem Abitur für ein Jahr etwas Anderes kennenlernen und nicht nach der Schule direkt an eine Universität gehen. Nach Prag bin ich gegangen, weil mir die Stadt wahnsinnig gefällt und ich sie in diesem Jahr noch besser kennenlernen wollte.

Ein Teil meiner Familie waren selbst Sudetendeutsche, weswegen mich die Arbeit der Sdružení Ackermann-Gemeinde persönlich angesprochen hat.

Wie sieht dein Alltag aus – und dein bisheriges Highlight?

Mein Alltag ist sehr abwechslungsreich, was ich schätze. Wir haben einmal die Arbeit im Büro, wo ich mich um Beiträge für die Website und um Social Media kümmere und das Vorbereiten der Deutschstunden an den Schulen. Sowohl die Vorbereitung als auch die Ausführung des Unterrichts erledige ich zusammen mit meiner/meinem Kolleg*in und meiner befreundeten Person Jonas (oder Jona, was auch immer du für einen Namen benutzt).

Ein konkretes Highlight habe ich nicht, aber mir macht der Unterricht mit den tschechischen Jugendlichen sehr viel Spaß. Besonders gut finde ich z.B. Rollenspiele im Laden oder im Reisebüro, weil es immer wieder zu lustigen Situationen kommt und die Schüler*innen auf diese Weise gut ihr Deutsch für Alltagssituationen üben können.

Wie läufts mit dem Tschechisch lernen? Was ist schwierig und was ist dein Lieblingswort?

Einen richtigen Kurs habe ich leider erst am Ende gefunden, aber das Leben im Ausland hat definitiv dazu beigetragen, die Sprache schneller zu lernen.

Mein Lieblingswort ist ʺšnekʺ (Schnecke), weil es wie eine lustige Abkürzung für das deutsche Wort Schecke klingt.

Welche Veranstaltung oder Erfahrung ist dir besonders im Kopf geblieben?

Mir hat die Osterbegegnung am meisten gefallen, weil man dort viele neue Leute kennenlernen konnte und ich mich als neue Person schnell gut aufgenommen gefühlt habe.

Welche Rolle spielen Themen wie deutsch-tschechische Geschichte, Europa oder Demokratie für dich vor Ort?

Während meiner Arbeit habe ich definitiv einiges darüber gelernt. Auf Veranstaltungen wie dem Brünner Symposium hatte ich die Gelegenheit mich fachlich mit den Themen auseinanderzusetzen, aber auch vor Ort in den Schulen konnte ich etwas über die deutsch-tschechischen Beziehungen erfahren.

Interessant war für mich auch das Verfassen der Beiträge auf der Website, weil ich bei der Recherche auch viele deutsch-tschechische Projekten kennenlernen konnte.

Was hast du persönlich dazugelernt?

Ich konnte einiges über mich selbst lernen und auch wie man das erste Mal in einem eigenen Haushalt zurechtkommt.

Würdest du einen Freiwilligendienst weiterempfehlen – warum?

Ich kann einen Freiwilligendienst, vor allem im Ausland, eigentlich jedem ans Herz legen. Er gibt dir die Gelegenheit aus deiner Komfortzone zu kommen und viel über dich, aber auch das Leben in einem anderen Land kennenzulernen. Ich persönlich bin sehr dankbar für die Erfahrungen und bin froh, dass ich meine Zeit dafür genutzt habe.

Danke euch beiden für euren wertvollen Einsatz für die Ackermann-Gemeinde und für eure offenen und ehrlichen Antworten. Für euren weiteren Weg wünsche ich euch viel Erfolg, spannende Erfahrungen und alles Gute!

- MH