Statements

Gabriel Gruß und Christopher Vogl

Gabriel Gruß und Christopher Vogl (Künstlerische Leiter):

Eine ungewöhnliche Aufgabe für einen Künstler

"Die Situation war ungewöhnlich und die Aufgabe gewaltig. Wir wollten innerhalb von vier Arbeitstagen eine verstümmelte und ihrer barocken Pracht beraubte Kirche gemeinsam mit Jugendlichen so gestalten, dass wieder ein würdiger Feierraum entsteht.

Wir reisten zwei Tage früher an, um uns vor Ort ein Bild zu machen und ein Raumkonzept zu erarbeiten. Die größte Herausforderung waren die Ausmaße der Kirche und unser Anspruch, in der Gestaltung religiöse Inhalte angemessen umzusetzen. Bei einer gemeinsamen Erkundung der Kirche stellten wir den Jugendlichen eine Reihe von konkreten Gestaltungsaufgaben vor, die von ihnen aufgegriffen wurden. Sie reichten von der Gestaltung von Fahnen über die Errichtung eines neuen Kultraumes aus den Trümmern der abgesägten Turmspitzen vor dem Hauptportal, dem Entwurf von Lichtzeichen, die an die Decke projiziert wurden, bis zu vier Meter hohen Pixelbildern auf den zugemauerten Seitentüren der Kirche.

Die Mädchen und Jungen ließen sich anregen und entwarfen in diesem Rahmen Bilder, in die sie ihre persönliche Auffassung von Glauben einbrachten. Nun erwies es sich sogar als positiv, dass die vielen Lehrstellen, die die Plünderungen gerissen hatten, Raum für eigene Bilder freiließen. Es war spannend zu beobachten, mit welcher Ernsthaftigkeit und welchem Engagement die Teilnehmer an die Arbeit gingen und sich auch nicht von den Widrigkeiten, die natürlich auftauchten, von der Aufgabe haben abbringen lassen. Am Ende der Woche war tatsächlich aus dem erschütternden Innenraum wieder ein berührender Kirchenraum geworden, der seine Würde zurückerlangt hat und dazu noch ein Stück der Glaubenswelt der Jungendlichen widerspiegelte. Uns persönlich hat die Aufgabe gefallen und bereichert. Es war eine anregende und interessante Woche. Wir denken gerne an Skoky zurück."

Veronika Pátková

Veronika Pátková (aus dem Leitungsteam):

Unvergesslicher Ort in mitten eines vergessenen Landstrichs
"In den sechs Jahren seit 2001, in denen ich jedes Jahr nach Maria Stock komme, wächst die Beziehung zwischen mir und diesem wunderschönen Ort. In diesen sechs Jahren habe ich dort natürlich sehr viel erlebt. Vieles behalte ich in meinen Erinnerungen und werde es als Motivation für die weitere Arbeit für Maria Stock nutzen. Der Ort bezauberte mich. Wilde Natur, die interessante Geschichte des Ortes genauso wie der wunderschöne Sonnenaufgang, den man auf dem Hügel beobachten kann, oder der Groβe Wagen, der nachts auf dem Himmel oberhalb der Kirche zu sehen ist, machen den Ort für mich zu etwas Besonderem.

Zu der natürlichen Schönheit des Ortes trugen auch unsere Begegnungen mit den Teilnehmern am Lagerfeuer, in der Kirche beim Singen oder bei den Meditationen intensiv bei. Das Alles macht für mich den Ort zu etwas Auβergewöhnlichem und Unvergesslichen. Deswegen freute ich mich sehr über der Idee, zum gewöhnlichen Zeltlager ein Festival für die Leute aus der Umgebung zu veranstalten, um ihnen zeigen zu können, dass wir diesen Ort nie vergessen und ihn wieder beleben wollen. Ich hoffe, dass es uns dieses Ziel gelingt, denn ich bin mir sicher, dass dies in unseren Kräften steht."

Kristýna Kop?ivová

Kristýna Kopřivová (Teilnehmerin):

„Das, was wir tun, verbindet uns“
"Nach Maria Stock fahr ich gleich aus mehreren Gründen sehr gerne. Erstens zieht mich dieser Ort auf eine ungewöhnliche Weise an. Die alte Kirche, wo unsere Meditationen stattfinden, die improvisierte Küche im alten Gasthaus, die Scheune, wo wir vor Regen Zuflucht suchen, oder der Friedhof, wo wir viel Spaß bei der Arbeit haben, dies alles gehört einfach zu unserem deutsch-tschechischen Zeltlager. Aber das Wichtigste ist die Atmosphäre, die in Maria Stock unbeschreiblich ist. Es ist wunderschön zu sehen, wie sich deutsche und tschechische Jugendliche treffen, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen: Licht und Leben in das bereits fast vergessene Dorf zu bringen.

Es gibt zwar Teenager, die die andere Sprache nicht beherrschen, dafür sprechen einige von uns beide Sprachen und helfen als Dolmetscher aus. Auch das ist ein Grund, warum ich gerne zu Treffen der Jungen Aktion fahre: Die Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen ist vor allem in Maria Stock einfach super, denn das, was wir tun, verbindet uns. Auch wenn wir unterschiedliche Sprachen sprechen und aus unterschiedlichen Ländern kommen."

Mr. Holle

Martin Neudörfl (technischer Leiter)

Die Kirche in einen buntes Licht getaucht

Mein erstes Mal in Maria Stock und gleich eine unglaubliche Erfahrung. Hatte ich in der Woche vor dem Festival noch mit den anderen Teilnehmern gearbeitet, gelacht und geschwitzt, gesungen, Holz gehackt und gebetet, so erwarteten mich Freitag und Samstag andere Aufgaben. Petr Linhart wollte gut gehört und gesehen werden und für den Samstagabend erarbeitete ich mit den Künstlern und Gottesdienstverantwortlichen ein Lichtkonzept mit vielen Lampen und Diaprojektoren. Das 25-Kilowatt-Aggregat brummte draußen vor sich hin und innen erstrahlte die Kirche in einem für uns nie da gewesenen Glanz, hatten doch vorher nur die Taschenlampen oder Kerzen der Teilnehmer den Innenraum erhellt. Es war wunderbar mit Licht, Farbe und Projektionen die Kirche in einem neuen Licht erstrahlen zu lassen und gleichzeitig spannend, mit diesen technischen und künstlerischen Mitteln Emotionen bei den Gottesdienstbesuchern zu wecken.