Deutsch-tschechisch-slowakische Sommerwoche

Retrospektiv bin ich dann meiner Schwester doch dankbar, dass sie mich überredet hat, an einer

Sommerwoche der Jungen Aktion der AG teilzunehmen, bei welcher sie sonst immer dabei war. Und es

war einfach großartig!

 

Die Sommerwoche fand zeitgleich mit den deutsch-tschechischen Begegnungstagen der Ackermann

Gemeinde in Landshut statt. Deren Motto „Europa 1989-Europa 2019. Mut zur Zukunft.“ war auch bei

uns Programm. Eine Woche lang haben wir an diesem Thema gearbeitet, darüber gesprochen und

auch debattiert. Ob jung (14) oder „alt“ (26), ob deutsch oder tschechisch (oder slowakisch,

schwytzerdütsch, französisch, russisch,...), jeder von den 35 Teilnehmern hat sich mit viel

Enthusiasmus für die Workshops zu dem Thema begeistern können.

 

Meist ging es morgens mit einer besinnlichen Statio los, welche uns gedanklich auf den Tag

vorbereitete. Anschließend zeigte sich, wie gut Musik verbinden kann: Die Top-Besetzung von zwei

Klarinetten und Querflöten, drei Gitarren und einer Geige mit einem Klavier ließen alle die morgendliche

Müdigkeit mit manch magischer Melodie vergessen. Anschließend gab es dann täglich verschiedene

Projekte, die uns vor allem das Thema näher bringen sollten.

 

Spannend war der Vortrag des CSU Abgeordneten Dr. Klaus Rose über die Zeit und die Gründe des

Mauerfalls, welche er uns besonders lebendig schildern konnte, da er sich bereits zur damaligen Zeit

mit den deutsch-tschechischen Beziehungen beschäftigt hatte und Zeitzeuge der damaligen Ereignisse

war. Gemeinsam in die Zukunft blickten wir dann in einem Vortrag von Dominik Porvažník, des UN-

Jugenddelegierten der Slowakei. Er erzählte nicht nur von der alltäglichen Arbeit bei den Vereinten

Nationen, sondern sprach mit uns gemeinsam über die notwendige Politik kommender Jahre und

konnte uns auch für das persönliche, private Leben wichtige Ratschläge geben.

 

Doch die Sommerwoche war bei weitem nicht nur das. Wir konnten gemeinsam in sogenannten

Kreativen Arbeitskreisen (mit der etwas gewöhnungsbedürftigen Abkürzung KAK) etwas für andere

erarbeiten. Ob Chor, Projektzeitung, Gottesdienstvorbereitung oder eine Schnitzeljagd für die

kleineren Kinder vom Plasto Fantasto, jeder konnte sich mit seinen Talenten einbringen. Doch auch für

uns wurden viele Aktivitäten vorbereitet: So nahmen wir selbst an einer (ungleich schwierigeren)

Schnitzeljagd durch ganz Landshut teil, die viel Spaß gemacht hat. Manche Gruppen stießen dort aber

an ihre Grenzen, und zwar wenn die Technik nicht so wollte, wie sie es hätte wollen sollen.

Nichtsdestotrotz haben wir so viel über die Architektur und Kultur der Stadt lernen können. An einem

anderen Tag konnten wir wettkampfmäßig in einer speziellen „Olympiade“ mit anderen Teams

kompetitiv konkurrieren. Die an Kreativität kaum zu überbietenden Aufgaben haben viel Spaß gemacht

und in meinem Fall auch für drei Tage Rückenschmerzen gesorgt; die JA-Teilnehmer ahnen wohl alle,

welcher nicht gerade beliebten Disziplin man dies zu verdanken haben kann. Nicht zu vergessen sind

außerdem noch die unzähligen kleinen Spiele, welche den Teamgeist aufbauten.

 

Ein Höhepunkt war dann der gemeinsam vorbereitete Gottesdienst am Freitag morgen. Viele

Teilnehmer haben sich dort eingebracht; die für das morgendliche Singen zuständige Combo begleitete

den Gottesdienst musikalisch, Deutsche und Tschechen hielten die Lesungen und die Fürbitten und

hergestellte Traumplakate konnten bei der Gabenbereitung vor den Altar gebracht werden. Zusätzlich

nahmen wir noch an dem Programm der Ackermann-Gemeinde teil und konnten dort unter anderem die

hochkarätigen Referenten, die man eigentlich nur aus dem Fernsehen kennt, im persönlichen Gespräch

erleben. So hörten wir spannende Vorträge des ZdK-Präsidenten Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg und

des vielleicht (hoffentlich) zukünftigen tschechischen Präsidenten Šimon Pánek.

 

Das allgemeine Programm war also sehr gut, trotzdem war das Tollste, der eigentliche Grund weshalb

man hergefahren ist, etwas anderes. Für die Steckbriefe unserer Zeitung fragten wir die anderen

Teilnehmer danach, was ihnen am meisten gefallen hat. Dass die Antworten fast immer sehr ähnlich

waren, ist meiner Meinung nach kein Zufall. Denn das Kennenlernen von netten Menschen, das

Wiedersehen von alten Freunden und das Erleben von Zusammenhalt und Gemeinschaft war wohl für

alle das Schönste während dieser Zeit. So verschieden wir auch sind, wir können uns auf jeden

einlassen und können mit jedem gut klar kommen. Jeder war hier auf seine Art einzigartig und

bereicherte als solcher die Gemeinschaft enorm. Um nur ein Beispiel zu nennen, konnten die jüngsten

Teilnehmer durch ihre offene Art alle erheitern und die Diskussionen mit ihnen über die Vorzüge

verschiedener politischer Modelle werden wohl einigen Tschechen unvergessen bleiben.

 

Aber insgesamt haben wir zu viel erlebt, als dass man die Eindrücke niederschreiben könnte. Selbst

wenn dies möglich wäre; das Bild könnte niemals den wahren Geist der Veranstaltung vermitteln. Dies

geht nur durch das Erleben der Gemeinschaft. In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal!

Simon Bode

 

Galerie: