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Über den Tellerrand

Der Dachverband der Jungen Aktion, die Aktion West-Ost (AkWO) bietet viele spannende Veranstaltung im Mittel- und Osteuropaeischen Kontext an. Egal ob eine Wallfahrt in Polen, eine Ländertour durch das Baltikum oder ein multinationales Projekt in Russland – hier ist für jeden etwas dabei!

 

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Ist in der Slowakei die Gerechtigkeit gestorben?

Ende Februar 2018 wurden der slowakische Journalist Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova grausam ermordet. Der Mord wurde professionell durchgeführt. Beide starben im Alter von 27 Jahren im eigenen Haus, welches sie gemeinsam renoviert hatten. Es wird vermutet, dass dieser Mord andere Aufdeckungsjournalisten von ihrer Arbeit abschrecken sollte. Die Körper wurden nämlich nicht entfernt und erst nach einigen Tagen von der lokalen Polizei gefunden. Aus dem Haus wurde nichts entwendet. Man kann davon ausgehen, dass jemand die Absicht hatte, Angst unter den Menschen in der Slowakei zu verbreiten.

Genau das Gegenteil ist passiert. Der Auftraggeber hat mit Sicherheit nicht erwartet, was diese Tat in der Gesellschaft auslöst. Der einzige, der Angst gezeigt hat, war der Ministerpräsident Robert Fico mit seinem Kabinett. Leider, nur um seinen Stuhl. Um seine Position zu behalten, hat er sich nicht gewehrt die schmutzigsten Mittel einzusetzen. Schon am ersten Tag hat er eine Szene wie aus einem Westernfilm inszeniert, wo er vor laufenden Kameras mit einer Million Euro auf dem Tisch eine Belohnung für Hinweise versprochen hat. Später hat er versucht, die Situation mittels einer Verschwörungstheorie mit dem US-Amerikanischen Milliardär George Soros zu erklären. Auch mit geringem Erfolg. Die Motivation war jedoch groß. Jan Kuciak hat nämlich vor seinem Tod an der Aufdeckung der kalabrischen Mafia ´Ndrangheta in der Slowakei und ihrer Vernetzung mit den höchsten Regierungspolitikern gearbeitet. Die organisierte Kriminalität besteht hauptsächlich in korrupter Verteilung der staatlichen und zum Teil europäischen Subventionen. Gelder für die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen erhielten meistens der regierenden Partei nahestehende Personen, nicht selten auch für Felder, die sie nicht im Besitz hatten. Dies konnte man nicht mehr geheim halten.

Das Volk war schockiert. An so etwas waren die Slowaken nicht gewöhnt. Trotz aller Absurdität sollte man auf ein paar positive Tatsachen hinweisen. Niemand hat sich abschrecken lassen. Jans Kollegen haben an seinem Grab versprochen, an seinen Recherchen weiter zu arbeiten. Mehr als hunderttausend Menschen haben sich noch beim kalten Wetter in der Slowakei und in über vierzig europäischen Städten versammelt. Martinas Mutter hat die Menschen auf den Barrikaden ermutigt weiter für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Das Volk hat sich vereint und seine Stärke demonstriert. Die Stärke, friedlich zu demonstrieren. So wie vor dreißig Jahren bei der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei. Das ist die beste Voraussetzung für eine neue Wende. Die Slowakei befindet sich an einer neuen Kreuzung: Entweder lässt sich von Mafia und Oligarchen unterdrücken oder sie kann eine neue Ära anfangen. Die Öffentlichkeit hat die Macht etwas zu ändern. Ein Beweis dafür: Der Exministerpräsident Fico ist laut der neusten Umfrage (April 2018) nur noch eine politische Leiche. Der Prozess der Demokratisierung, der am Ender 80ger in der Slowakei angefangen hat, ist noch nicht vollendet. Es ist an der Zeit einen neuen Schritt zu wagen.

 

                                                                                                                                                                                            Peter Hospodár